Letter from Munich – the Joseph Affair – 32

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

17 August 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

A continuation of the letter of last week:

The Social Democrats, in other words, often in power since the Second World War, impress one as a party whose members have made great contributions to German democracy, far beyond the kind that politicians usually have an opportunity to make.

As has so often happened in German history, the Social Democrats suffered another defeat at the hands of the conservatives and – to use a euphemism – the arch-conservatives. The defeat this time was in the person of Dr. Kantelberg-Abdulla, the mother. The government media practically overnight – and yet with a certain gradualness – transformed her from a victim into a perpetrator. At first it was implied that she was not only an unbalanced woman, but evil as well, capable of the most devious machinations. The conclusion of some in authority in Saxony that Dr. Kantelberg-Abdulla, the mother, was unbalanced provided them with a pretext for proceeding, a short time later, to a new phase of their “investigation.” After three suspects, one of whose parents had influential connections with the CDU, had been arrested and then released some hours later, the national news on German state television one morning produced dramatic pictures of the Kantelberg-Abdullas arriving back at their home near the Czech border, after the long, exhausting journey from western Bavaria. They were met in Sebnitz, not by any sympathetic townspeople, but by the local district attorney who informed them on national television that he had a warrant to search their house and to seize every article of proof. Proof that their child had been murdered? Unfortunately not: the district attorney informed them that he was considering charging them with the peculiarly German crime of spreading “false suspicions” and he was going to seize proof that would support that charge.

The district attorney’s men spent the rest of the night, approximately eight hours, searching the family’s quite modest home. They seized every videocassette, including those with ordinary feature films and those containing images of their dead son. They seized every audio cassette of recorded telephone conversations, every computer diskette, every file, every piece of paper that they could find that was related to the family’s own investigation of the circumstances surrounding their son’s death. They brought in computer experts who transferred every electron of data stored on the hard disk of the family computer to police computers. None of this material, it should be noted, has yet been returned.

The investigating officers even seized the diary of the Kantelberg-Abdullas’ fourteen-year-old daughter, Diana. This was too much for Dr. Abdulla, the father. He protested that there could not possibly be anything of interest in the diary of a young girl. The authorities relented. They would not seize the diary. But they would read it. One of the men then took the girl to a quiet place. She was permitted to sit and watch him as he read everything she had written about the events in her life: a young girl’s intimate commentary on her daily activities, her dreams, her aspirations.

This letter will be continued next week.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

—… many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 17. August 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

die Fortsetzung des Briefes von der letzter Woche:

Mit anderen Worten, haben die Sozialdemokraten, oft an der Macht seit dem Zweiten Weltkrieg, mich dadurch beeindruckt, dass sie Menschen sind, die große Beiträge zu der deutschen Demokratie geleistet haben, und ihre Beiträge übertreffen bei weitem die Beiträge, die die durchschnittlichen Politiker leisten können.

Wie so oft in der Geschichte Deutschlands, erlitten die Sozialdemokraten unter den Konservativen und – wenn ich zu Euphemismen greifen darf – Erzkonservativen, noch eine Niederlage, diesmal in der Person von Dr. Kantelberg-Abdulla, der Mutter. Praktisch über Nacht – und doch allmählich und stufenweise – verwandelten die staatlichen Medien die Mutter als Opfer in die Mutter als Täter. Zunächst deutete man an, dass sie nicht nur unausgeglichen sei, sondern auch bösartig und zu den hinterhältigsten Machenschaften fähig. Als einige Veranwortliche in Sachsen zu diesem Schluss kamen, konnten sie sich unter dem Vorwand von dieser angeblichen Labilität kurz danach einer neuen Phase ihrer „Untersuchung“ zuwenden. Drei Verdächtige wurden zwar verhaftet aber einige Stunden später freigelassen – die Eltern eines Verdächtigen unterhielten sehr enge Beziehungen zu der CDU – und dann zeigte die morgendliche Tageschau dramatische Bilder von der Familie Kantelberg-Abdulla, als sie nach der langen, beschwerlichen Reise von Westbayern nach Hause in sächsische Sebnitz zurückkam. Die Mitglieder der Familie wurden in der Heimat empfangen, nicht von mitfühlenden Mitbürgern, sondern von der Dresdner Staatsanwaltschaft, die ihnen mitteilte, bundesweit im Fernsehen, dass die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbefehl hatte, um das Haus zu durchsuchen und jeden Beweisstück zu beschlagnahmen. Beweisstücke dafür, dass das Kind ermordet wurde? Leider nicht: Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ihnen mitteilte, dass er es erwäge, sie wegen „der Verbreitung falscher Verdächtigungen“ anzuklagen, was ein rein deutsches Verbrechen zu sein scheint. Die Staatsanwaltschaft würde jeden Beweisstück beschlagnahmen, der diese Anklage unterstützen könnte.

Die Männer der Staatsanwaltschaft verbrachten den Rest der Nacht, ungefähr acht Stunden, damit, das bescheidene Haus zu durchsuchen. Sie beschlagnahmten jede Videokassette, diejenige, die gewöhnliche Spielfilme enthielten, und diejenige, die einige Bilder ihres verstorbenen Kindes enthielten. Sie beschlagnahmten jede Tonkassette mit jedem aufgenommenen Telefongespräch, sie beschlagnahmten jede Computerdiskette, jede Akte, jeden Stück Papier, das sie finden konnten und das mit der Ermittlung zu tun hatte, die die Familie gegen den Mord ihres Sohnes durchgeführt hatte. Die Staatsanwaltschaft beauftragte Computerfachmänner, alle Dateien von der Festplatte des Computers der Familie zu kopieren und sie auf der Festplatte eines Polizeicomputers aufzuzeichnen. Kein einziges Stück dieses „Beweismittels“, sollte man e wissen, hat die Familie noch zurückbekommen.

Die Beamten beschlagnahmten sogar das Tagebuch der vierzehnjährigen Tochter der Familie, Diana. Das war für Dr. Abdulla, den Vater, einfach zu viel. Er protestierte, dass es einfach unmöglich sei, dass die Behörden sich für das Tagebuch eines jungen Mädchens interessieren könnten. Die Behörden gaben nach. Sie würden das Tagebuch nicht beschlagnahmen. Sie würden es aber lesen. Einer der Männer begleitete das Mädchen irgendwohin, wo es ruhig war. Man erlaubte sie, dort zu sitzen und zu beobachten, als der Mann alles las, was sie über die Ereignisse ihres Lebens geschrieben hatte: Das private Kommentar eines jungen Mädchen, über ihre tägliche Aktivitäten, ihre Träume, ihre Hoffnungen.

Die Fortsetzung dieses Briefes folgt nächste Woche.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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