Letter from Munich – 004

Letter from Munich – the Joseph Affair – 4

Eine deutsche Fassung steht weiter unten.

Dear Mr. Graf, dear friends,

Erich slammed the experts’ report down on the coffee table in front of us. “You see? Seventy-nine pages. The report is seventy-nine pages long. And as one German newspaper, the Sueddeutsche Zeitung, reported, ‘Three specialists in forensic medicine worked on the report for six weeks. They prepared forty tissue specimens taken from Joseph’s lungs. Tissue specimens from the heart, the spleen, and the liver were also examined.’ The head of the department of forensic medicine at the University of Muenster said there was no chance the boy was murdered.” Every newspaper in Germany has now fallen into line and said the boy’s death was accidental. He paused and then said to Annette, “But you of course still cling to your absurd theory the boy was murdered by neo-Nazis.”

The trace of a bitter smile played across Annette’s face. “First of all, a lie is a lie, no matter how long it is, or how many pages it takes to write. Secondly, I would like to know how and when these tissue samples were taken, and when they were examined. According to my sources, all of the boy’s inner organs were removed three years ago, after the autopsy; and there internal contradictions in the report that I would like explained. And thirdly, German newspapers are as easily intimidated as everyone else in Germany. You want hard-hitting investigative journalism? Don’t look for it in this country.”

Erich’s response was an almost blinding non sequitur. “It’s your fault that Kurt Biedenkopf, the Prime Minister of Saxony (where Joseph died), is having such disastrous political problems. If you hadn’t sent letters to every news agency in the world accusing Biedenkopf of masterminding a cover-up, he wouldn’t be having the difficulties he’s having.”

“You want absurd?” I said. “Now that’s absurd. A couple of letters from Annette or me and the government of Saxony starts to come apart?”

Annette seemed to be examining the large amethyst set in the gold ring she had on her left hand. “It is absurd,” she said. “But then, it’s not the government of Saxony that’s coming apart. It’s Biedenkopf. Paranoia does strange things to people. And where the Joseph case is involved, Biedenkopf has plenty to feel paranoid about.”

I said nothing. I’m just an ordinary person. And for an ordinary person, not even very bright. Surely Annette couldn’t be right. If Biedenkopf weren’t a good man, then how could he have maintained control of everything that has happened in Saxony during the last ten years? Surely he couldn’t – and wouldn’t – try to control a murder investigation, just to save himself, his party, and certain party officials the embarrassment of having allowed a situation to develop where a child is killed by thugs. Such a thing is absolutely impossible, isn’t it?

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

Erich knallte das Gutachten auf den Couchtisch vor uns. „Seht Ihr? Neunundsiebzig Seiten. Der Bericht ist neunundsiebzig Seiten dick. Und wie die Süddeutsche Zeitung meldete, „Drei Gerichtsmediziner haben sechs Wochen lang daran gearbeitet. Allein von der Lunge des kleinen Joseph Kantelberg-Abdulla haben die Wissenschaftler 40 Präparate angefertigt. Auch das Herz, die Milz, die Leber wurden präpariert und untersucht. ,Es deutet aber nach all diesen Untersuchungen null-komma-null auf ein Tötungsdelikt hin’, sagt Professor Bernd Brinkmann, Leiter der Gerichtsmedizin an der Universität Münster“.

Er schaute uns einen Augenblick an. „Die deutschen Zeitungen tanzen nicht mehr aus der Reihe. Alle, alle stehen mit unserer Wahrheit, mit DER Wahrheit, in Einklang. Alle sagen, dass Josephs Tod ein Unfall war.“ Er hielt noch einmal inne und dann sagte zu Annette, „Aber du natürlich klammerst immer noch an deine absurde Theorie, dass das Kind von neo-Nazis getötet wurde“.

Der Anflug eines etwas bitteren Lächeln spielte um Annettes Lippen. „Erstens bleibt eine Lüge eine Lüge, egal wie lang sie ist oder aus wie vielen Seiten sie bestehen mag“, erwiderte sie. „Zweitens möchte ich wissen, wie und wann diese Präparate angefertigt und wann sie untersucht wurden. Meinen Informationsquellen nach, wurden alle inneren Organen des Kindes vor drei Jahren von seiner Leiche entfernt; außerdem gibt es Widersprüche, die aufgeklärt werden müssten. Und drittens ist es genauso leicht, deutsche Zeitungen einzuschüchtern, wie es leicht ist, alle andere in Deutschland einzuschüchtern. Also sind diese Artikel keine Überraschung. Du willst schlagkräftigen Enthüllungsjournalismus? Such danach nicht in diesem Land“.

Erichs Antwort war eine erstaunlich unlogische Folgerung. „Die Schuld daran liegt bei dir, dass Kurt Biedenkopf neulich all diese verheerenden politischen Probleme hat. Wenn du nicht Briefe jeder Nachrichtenagentur auf der ganzen Welt zugeschickt hättest, in denen du Biedenkopf beschuldigt hast, der Chef eines Verschleierungskomplott gewesen zu sein, dann hätte er nicht die Schwierigkeiten, die er jetzt hat.“

„Du sprachst von einer absurden Theorie“, sagte ich. „Nun, DAS ist absurd. Ein paar Briefe von Annette oder von mir, und die sächsische Regierung beginnt zusammenzubrechen?“

Annette schien, einen goldenen Ring anzustarren, der mit einem großen Amethyst besetzt war, den sie auf ihrer linken Hand trug. „Ja, das ist absurd“, sagte sie. „Aber es ist nicht die sächsische Regierung, die zusammenbricht. Es ist Biedenkopf. Paranoia macht Menschen sonderbar. Und wo es um den Fall Joseph geht, hat Biedenkopf vieles, was ihn dazu bringen kann, sich paranoid zu fühlen.“

Ich sagte nichts. Ich bin ein einfacher Mensch. Und nicht sehr intelligent. Aber sicher konnte Annette nicht Recht haben, dachte ich mir. Wenn Biedenkopf kein guter Mensch wäre, wie hätte er über alles, was in den letzten zehn Jahren in Sachsen passierte, die absolute Kontrolle haben können? Es kann doch gar nicht stimmen, dass er selbst, der Ministerpräsident, könnte – oder würde – versuchen, Ermittlungen in einem Mordfall fest im Griff zu haben, nur weil er nicht will, dass er oder seine Partei oder bestimmte Parteimitglieder das Gesicht deswegen verlieren, dass sie es erlaubten, dass eine Situation sich entwickelt, wo Rabauken ein Kind töten. So etwas ist absolut unmöglich, oder?

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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