Letter from Munich – 011

Letter from Munich – the Joseph Affair – 11

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

23 March 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

“People constantly ask me, why I am so convinced that the Kantelberg-Abdullas, the parents in the Joseph Affair, are right in believing that their child was murdered and that neither the German federal government nor the Saxony state government has investigated the affair the way they should.”

“Annette, not again.” It was difficult to tell if Erich was angry, or just exasperated.

Annette ignored him. “Almost from the beginning, the highest level of government in Saxony – and by this I mean the Prime Minister, Kurt Biedenkopf – was against any thorough investigation of the affair. The Dresden district attorney and the justice ministry may have been willing at first to conduct a normal investigation, but as soon as Biedenkopf heard that important CDU party members or their relatives in Sebnitz could be endangered by the investigation, Biedenkopf made sure the investigation took the course he wanted it to take. It didn’t matter to him that this course couldn’t possibly lead to a discovery of the truth. It didn’t matter that keeping to this course meant issuing an autopsy report that ignored any sign the boy had died violently; it didn’t matter that it meant intimidating the witnesses who had come forward to say they saw the boy attacked. These witnesses had to be made to change their story.”

“That’s preposterous,” said Erich, barely concealing his scorn.

“Is it?” Annette replied. “The inconsistencies in this case are precisely the sort of inconsistencies that have appeared in other cases where there has been a miscarriage of justice. And often, when the authorities haven’t acted as they should, it is the victim who is blamed. In the United States, for example, when Patty Hearst was kidnapped in the nineteen-seventies, the authorities knew of the danger but failed to warn her. To compensate for that failure, the authorities were astonishingly aggressive in prosecuting her. It finally took a presidential pardon to clear her name.”

“Yes, and that was in America,” commented Erich dryly. “This is Germany.”

“Precisely,” Annette replied. “In America the authorities admit their mistakes. In Germany, the authorities and the whole political class must be seen to have a kind of infallibility so that the German respect for authority won’t be weakened.”

Personally, I didn’t know what to believe or think. I’m just a simple and rather naïve person. Well, that’s the way things go, I guess.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 23. März 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

„Man fragt mich immer wieder, warum ich mir ganz sicher bin, dass Herr und Frau Kantelberg-Abdulla, die Eltern in dem Fall Joseph, recht daran tun, es zu glauben, dass das Kind ermordet wurde und dass weder die Bundesregierung noch die sächsische Staatsregierung die ganze Affäre ermittelt hat, wie sie es tun sollte“.

„Annette, nicht schon wieder!“ Es war schwierig zu wissen, ob Erich zornig war oder nur verärgert.

Annette ignorierte ihn. „Fast von Anfang an war die höchste Regierungsebene in Sachsen – und damit meine ich der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf – gegen eine grundliche Ermittlung in dieser Sache. Die Dresdner Staatsanwaltschaft und das Justizministerium waren vielleicht bereit sein, eine normale Ermittlung durchführen zu lassen, aber als Biedenkopf hörte, dass wichtige CDU-Mitglieder oder ihre Verwandte in Sebnitz durch diese Ermittlung gefährdet werden könnten, dann hat er gewährleistet, dass die Ermittlung den Kurs beibehalten würde, den er wünschte. Es war ihm egal, dass dieser Kurs nicht zu einer Entdeckung der Wahrheit führen könnte. Es war ihm egal, dass, um diesen Kurs beizubehalten, man einen Obduktionsbericht erstatten musste, der jedes Zeichen ignorierte, dass das Kind eines gewaltsamen Todes starb; es war ihm auch egal, dass man die Augenzeugen einschüchtern musste, die sagten, Skinheads haben das Kind angegriffen. Diese Augenzeugen mussten einfach dazu gezwungen werden, ihre Geschichte zu ändern.“

„Das ist grotesk“, sagte Erich und konnte seine Verachtung kaum verbergen.

„So?“ erwiderte Annette. „Die Ungereimtheiten in diesem Fall sind genau die Art Ungereimtheiten, die oft in anderen Fällen aufgetreten sind, wo es ein Justizirrtum gab. Und sehr oft, wenn die Behörden nicht gehandelt haben, wie sie handeln sollten, dann ist es das Opfer, dem die Schuld gegeben wird. In den U.S.A., zum Beispiel, als Patty Hearst in den Siebzigerjahren entführt wurde, wusste die Polizei, dass die junge Dame in Gefahr wäre, aber die Behörden es versäumten, sie davor zu warnen. Um dieses Versäumnis zu kompensieren, waren die kalifornischen Behörden erstaunlich aggressiv und angriffslustig, als sie sie strafrechtlich verfolgten. Fräulein Hearst brauchte eine Begnadigung vom Präsident der Vereinigten Staaten, um endlich für unschuldig erklärt zu werden“.

„Ja, und das war in Amerika“, bemerkte Erich trocken. „Wir sind in Deutschland“.

„Ja, eben“, sagte Annette. „In Amerika geben die Behörden zu, dass sie sich geirrt haben. In Deutschland müssen die Behörden und die ganze politische Klasse versuchen, irgendwie unfehlbar zu erscheinen, damit der deutsche Respekt vor dem Staatsmacht nicht angegriffen werde“.

Ich persönlich wusste nicht, was ich glauben oder denken sollte. Ich bin nur ein einfacher und etwas einfältiger Mensch. Na ja, so geht es.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

Log in