Letter from Munich – 017

Letter from Munich – the Joseph Affair – 17

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

4 May 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

Rolf looked as if he were going to explode with laughter when he walked into the room. “Have you heard the latest development?” he said to Alexandra. “Do you see? Do you see what happens in Europe when anyone tries to criticize the authorities, or even call into question something they’ve done? And under these circumstances do you still think someday it can be proven that the government tainted the investigation of the murder of the boy Joseph by interfering with it and covering up any signs of a crime?”

Alexandra wanted to know what “latest development” he was talking about.

“Biedenkopf,” he said, naming the most prominent prime minister among the heads of Germany’s eastern states, and speaking as if he were almost out of breath with excitement. “I’m talking about Kurt Biedenkopf.” Rolf’s grin seemed to broaden. “Some idiot of a Social Democrat newspaper publisher in Dresden complained some weeks ago that Biedenkopf was living in government-owned housing and paying too little rent.”

“What is his rent?” I asked.

“He’s paying DM 1857 (about 856 US dollars or 595 British pounds) a month,” Alexandra replied. “And for that he gets a modern, well-appointed government-owned house in Dresden’s luxury neighborhood with 150 square meters (1614 square feet) of living space. Including heating costs. Plus the services of a full-time cook and cleaning lady. His annual income is DM 400,000 (185,000 US dollars or 128,000 British pounds). Like the prime ministers of all German states, he’s expected to pay for his own housing.”

“Not a bad deal,” a young student said. “My parents pay DM 2000 a month for my small one-bedroom flat near the university in Munich, plus utilities. And I have to do my own cooking and cleaning.”

“So what’s your ‘latest development,’ Rolf?” Alexandra asked.

Rolf was still beaming. “Biedenkopf commissioned a report on the whole matter. He asked his own chief of staff to have the whole question of his housing looked into and on Wednesday the report came back.” Rolf paused for effect. “Biedenkopf isn’t paying too much rent, the report said; he’s paying too LITTLE. And he should get some money back!”

“Incredible,” said Alexandra.

“Some people say things look bad for Biedenkopf,” the student said, with some bitterness in voice. “But I think he’s on a roll. I read in Die Welt yesterday that Biedenkopf is just back from America, where he met with Steven Spielberg.”

Alexandra smiled, a little wearily. “The other day I was looking at one of the pages on the website of the Government of Saxony (www.sachsen.de). On the left side of that page there is a list of the ‘great personalities’ of Saxony, including figures such as Bach, Leibniz, Wagner, and – I am not making this up – Kurt Biedenkopf. I suppose now Biedenkopf wants Spielberg to make a movie of his heroic life,” she added with uncharacteristic cynicism. “Maybe call it ‘Biedenkopf’s List,’ or something. Among other things, it could show how our brave Kurt courageously defended ‘his people’ against charges of right-wing extremism. Biedenkopf did that, of course, by having the murder of the boy Joseph as thoroughly investigated as the question of his own rent was investigated – only in the Joseph Affair, Biedenkopf’s authorities ‘discovered’ that the crazy parents simply made up the whole story.”

“Yeah,” said the student, “the parents and tens of eyewitnesses.”

Rolf’s smile was impregnable. “Biedenkopf has nothing to worry about. As he said this week, quoting our beloved former Chancellor Helmut Kohl, ‘Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.’ The dogs bark, but the caravan moves on.”

“Oh my God,” someone whispered.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

—… many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 4. Mai 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

Rolf sah aus, als ob er vor Lachen fast platzen könnte, als er in das Zimmer eintrat. „Weißt Du schon das Neueste?“ sagte er zu Alexandra. „Jetzt verstehst Du? Verstehst Du, was in Europa passiert, wenn man versucht, die Behörden zu kritisieren, oder sogar irgendetwas infrage zu stellen, was sie getan haben? Übrigens unter diesen Umständen, in Bezug auf Dein Lieblingsthema, glaubst Du immer noch, dass man eines Tages wird beweisen können, dass die Regierung die Ermittler eingeschüchtert hat, als diese den Mord von dem Kind Joseph untersucht haben; und glaubst Du immer noch, mein Schatz, dass man wird jemals beweisen können, die Regierung hat diese Untersuchung beeinträchtigte und Anzeichen eines Verbrechens vertuscht?“

Alexandra wollte wissen, welches „Neueste“ er meinte.

„Biedenkopf,“ sagte er fast atemlos, als ob er zu aufgeregt war, um normal zu sprechen. „Ich spreche von Kurt Biedenkopf“. Rolfs Grinsen schien sogar breiter zu werden. „Irgendein Idiot von sozialdemokratischem Verleger in Dresden hat sich vor ein paar Wochen darüber beschwert, dass Biedenkopf in einem Haus wohnt, das der Regierung gehört und dass die Miete, die er zahlt, zu niedrig ist.“

„Und wie hoch ist seine Miete“, fragte ich.

„Er zahlt DM 1857 pro Monat,“ antwortete Alexandra. „Und dafür bekommt er ein modernes, gut ausgestattetes, in Staatsbesitz nachgestelltes Haus von 150 Quadratmeter, im noblesten Dresdener Stadtviertel. Und natürlich geht es um eine Warmmiete. Dazu bekommt er auch einen Koch und eine Putzfrau. Sein jährliches Einkommen ist DM 400,000. Natürlich wie alle Ministerpräsidenten Deutschlands es tun, sollte er seine eigene Haus entweder kaufen oder mieten.“

„Er hat kein schlechtes Geschäft gemacht“; sagte ein junger Student. „Meine Eltern bezahlen DM 2000 pro Monat für meine relativ kleine Wohnung in der Nähe der Münchner Universität, ohne Heizkosten. Und ich selbst muss kochen und alles putzen“.

„Also, was ist Dein ‚Neueste’, Rolf?“ fragte Alexandra.

Rolf strahlte uns immer noch an. „Biedenkopf hat vor ein paar Wochen seinen Staatskanzleiminister, Georg Brüggen, beauftragt, einen Bericht über die ganze Sache abfassen zu lassen. Am Mittwoch wurde der Bericht veröffentlicht.“ Rolf hielt inne, vielleicht des Effekts wegen. „Biedenkopfs Miete ist nicht zu niedrig, nach dem Bericht, sie ist zu HOCH, und Biedenkopf sollte Geld zurückbekommen!“

„Unglaublich“; sagte Alexandra.

„Es gibt Leute, die sagen, Biedenkopfs Aussichten sind nicht so heiter,“ sagte der Student, vielleicht etwas verbittert. „Aber ich glaube, er hat eine Glückssträhne. Ich habe gestern in „Die Welt“ gelesen, dass Biedenkopf ist letzte Woche sogar nach Amerika gereist und dort mit Steven Spielberg gesprochen.“

Alexandra lächelte, etwas müde. „Vor ein paar Tagen“, sagte sie, „habe ich eine Internetseite der sächsischen Regierung angeschaut (www.sachsen.de). Links auf dieser Seite stand eine Liste der ‚großen Persönlichkeiten’ Sachsens, Menschen wie Bach, Leibniz, Richard Wagner und – ich erfinde dies nicht – Kurt Biedenkopf. Wahrscheinlich will Biedenkopf, dass Spielberg eine Filmbiographie über ihn drehen“, fügte sie hinzu, mit einem Zynismus, der uncharakteristisch für sie war. „Vielleicht könnte der Titel dieses Filmes ‚Biedenkopfs Liste’ oder so etwas lauten. Unter anderem, wird der Film wahrscheinlich zeigen, wie unser mutiger Kurt ‚sein Volk’ heldenhaft verteidigte, gegen Beschuldigungen, dass sie Rechtsextremisten sind. Aber natürlich hat Kurt ‚sein Volk’ eigentlich dadurch verteidigt, dass er den Mord Josephs genauso gründlich untersuchen ließ, wie er im Fall seiner eigenen ‚Mietaffäre’ ermitteln ließ. Nur, dass in der Affäre Joseph, haben Biedenkopfs Behörden ‚entdeckt’, dass die ‚verrückten’ Eltern die ganze Geschichte einfach erfunden haben“.

„Ja“, sagte der Student, „die Eltern und eine Menge Augenzeugen.“

Rolf hat das Lächeln eines unüberwindbaren Gegners. „Biedenkopf sollte sich gar keine Sorgen machen. Wie er letzte Woche sagte, als er die Wörte von unserem lieben ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zitierte, ‚Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter’.

„Mein Gott“, flüsterte irgendjemand.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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