Letter from Munich – 028

Letter from Munich – the Joseph Affair – 28

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

20 July 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

Each week for the next several weeks, I would like to reprint a portion of the first letter I wrote describing all of the circumstances surrounding the Joseph affair. The first part appears today. This will be the first time that a German translation of this letter has appeared.

In Central Europe at present, people find themselves preoccupied with one or another matter of importance at the moment, but I would like to try to draw your attention to one situation here which I believe has implications at least as important as any other.

This situation has its origins in the life of a single individual, his parents and his sister. It may, however, have larger implications for Germany and for Europe as well.

Some time ago, it was reported in the media here that a six-year-old boy in the town of Sebnitz, near Dresden in eastern Germany, had been drowned in a municipal swimming pool in 1997 by a group of neo-Nazis. The report naturally created a sensation, not only because of its very nature, but also because the mother of the child had had to press the local government in Saxony to reopen the original somewhat superficial, if not irregular, investigation into the matter. That investigation had ended with a report that the child had died merely as the result of an accident. The mother, however, took the unusual step – in Germany – of acting on her own initiative when reports began reaching her that the child had been deliberately murdered. Both she and her husband began their own investigation, contacting witnesses and working with attorneys and academic experts. Their findings resulted in their conviction that the child had been murdered. Since the authorities, though, had apparently been unable to bring the case to a satisfactory conclusion, the parents took an even more unusual step in Germany: they turned to the media.

Their story administered a shock felt all over the country late last year. The parents were invited to Berlin, where they met privately with Chancellor Gerhard Schroeder and with other politicians such as Cem Özdemir, a Bundestag representative of Turkish descent and a leading advocate of greater efforts to integrate foreigners into German society. Mrs. Kantelberg-Abdulla appeared on television in a discussion with Michel Friedmann, an influential member of Germany’s Jewish community; during the discussion she presented herself as a composed, rational, and intelligent woman (she and her husband both hold German doctorates). While in Berlin they stayed in the building that houses the representatives of the government of Saxony, and it was this government, and not the German federal government, that now promised to reopen the investigation.

Continued next week.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 20. Juli 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

jede Woche in den kommenden zwei Monaten, möchte ich einen Teil des ersten Brief wieder abdrucken, den ich über die Affäre Joseph geschrieben habe und in dem ich alle Umstände dieser Affäre beschrieb. Der erste Teil, der die erste deutsche Version dieses Briefes ist, erscheint heute.

Zur Zeit in Mitteleuropa, beschäftigen sich die meisten Menschen mit verschiedenen Sachen, die selbstverständlich sehr wichtig sind, aber vielleicht sollte man versuchen, ihre Aufmerksamkeit auf eine Situation zu lenken, die auch wichtige Implikationen hat.

Diese Situation hat ihren Ursprung im Leben und Tod eines einzigen Kindes, und im Leben dessen Eltern und Schwester. In der Zukunft aber könnte diese Situation und ihre Tragweite in mancher Hinsicht an Bedeutung gewinnen, nicht nur für eine Familie, sondern auch für Deutschland und ganz Europa.

Vor mehreren Monaten berichteten die deutschen Medien davon, dass ein sechsjähriges Kind in der Stadt Sebnitz, in der Nähe von Dresden, von einer Gruppe Neonazis in einem Schwimmbad ermordet wurde. Dieser Bericht war natürlich eine Sensation, nicht nur wegen des Themen selbst, sondern auch deswegen, dass die Mutter die Regierung in Sachsen dazu zwingen musste, die anscheinend etwas oberflächlich durchgeführte ursprungliche Ermittlung wieder aufzunehmen. Nach den Ergebnissen der ursprunglichen Ermittlung hat das Kind einfach einen Unfall erlitten. Die Mutter hatte aber dann die in Deutschland ungewöhnlichen Schritte unternommen, um auf eigene Faust zu handeln, nachdem verschiedene Bürger von Sebnitz ihr berichtet hatten, dass das Kind ermordet worden wäre. Als die Mutter und Vater des Kindes mit ihren eigenen Ermittlung begonnen haben, kontaktierten sie Augenzeugen und arbeiteten mit Rechtsanwälten und akademischen Gutachtern, nach diesen Ermittlungen waren sie überzeugt, dass die Augenzeugen Recht hatten, und dass das Kind ermordet worden war. Da die Behörden aber anscheinend nicht aus den Tatsachen richtige Rückschlüsse auf den Tod des Kindes hatten ziehen können, taten die Eltern etwas sogar Ungewöhnlicheres: sie wandten sich an die Medien.

Die Geschichte über die Eltern und ihr Kind schockierte die ganze Bundesrepublik. Man hat die Eltern nach Berlin eingeladen, wo sie ein vertrauliches Gespräch mit Bundeskanzler Schröder hatten, und mit anderen Politikern wie Cem Özdemir, dem Bundestagsabgeordneten türkischen Abstammung, der immer wieder größere Bemühungen befürwortet, Ausländer in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Frau Dr. Kantelberg-Abdulla, Josephs Mutter, ist im Fernsehen aufgetreten und hat an einer Diskussion mit Michel Friedmann, einem einflussreichen Mitglied der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, teilgenommen. Im Laufe dieser Diskussion wurde es klar, dass Frau Dr. Kantelberg-Abdulla eine gefasste, vernünftige und intelligente Frau ist – und nicht nur sie sondern auch ihr Mann hat in Deutschland promoviert. Als die beiden in Berlin waren, haben sie ihre Zeit nicht in einem Hotel verbracht, sondern im Haus der sächsische Regierung, die endlich versprach, die Ermittlung in der Sache Joseph wieder aufzunehmen.

(Fortsetzung nächste Woche.)

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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