Letter from Munich – 033

Letter from Munich – the Joseph Affair – 33

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

24 August 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

A continuation of the letter of last week:

By the early morning, after a night reminiscent of more unsavory periods in German history, the men were gone. With them went not only everything that might substantiate the government’s charge that the parents had spread “false suspicions,” with them also went every single piece of evidence the Kantelberg-Abdullas had painfully and laboriously collected to support their accusation that neo-Nazis had murdered their son.

A friend remarked the other day, “A leading German newspaper recently published an article in which the work of the district attorney was described as ‘dilettante.’ Newspapers in more enlightened countries might have another word to describe it.”

The parents were never interviewed by the police about their son’s death. In fact, witnesses that were interviewed by the police have told the Kantelberg-Abdullas that the police never asked them about anything that might shed light on the circumstances of the boy’s death. The police were interested only in asking questions about the alleged involvement of the Kantelberg-Abdullas in encouraging “false suspicions.”

“What I found interesting,” a friend remarked, “was that some time later, the Prime Minister of Saxony, Kurt Biedenkopf, once again appeared on German television in an interview that was shown repeatedly over the next few days. He informed the Germans with breathtaking self-assurance — and with astonishing ignorance of the operation of the American legal system — that if he were in America he could go before a court and be awarded the equivalent of fifty million German marks as compensation for the slander he and the State of Saxony had been subjected to.”

“Yes,” agreed another acquaintance, “there was apparently no awareness on Biedenkopf’s part that the kind of treatment the Kantelberg-Abdullas had suffered – the virtual abduction from Berlin, the nighttime seizure of any proof they could use to support their claims or defend themselves in court, the orchestration of an all but one-sided media campaign of innuendo and intimidation – would in America create such an outcry, from New York to Honolulu, that any American governor or district attorney who even attempted such actions would be forced to resign.”

One more friend added, “Most Germans, though, are oblivious to the way the American legal system really functions, and so Biedenkopf’s threat worked. There has been hardly a word or an image about the family in the media since Biedenkopf’s implied threat. However, there have been descriptions of what the alleged perpetrators of the boy’s murder are said to have suffered during the few hours of their detention and questioning.”

Still another friend of mine remarked the other day, “The media in Germany are so vulnerable to threats and intimidation from the authorities, such as the threat Biedenkopf made, that no German newspaper or television broadcaster would dare produce any piece of news that might invite a fifty million mark lawsuit. And even though political influence on the work of district attorneys has been obvious to many observers time and again in scandals in Munich, in Augsburg, in Bonn, in Berlin and elsewhere in recent years, German journalists and the public continue to take at face value whatever their district attorneys tell them, without even thinking of questioning their findings. Or is it perhaps that they simply do not want to take the trouble to question them?”

This letter will be continued next week.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

—… many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 24. August 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

die Fortsetzung des Briefes von der letzten Woche:

bis in die frühen Morgenstunden fuhren die Männer in ihrer Arbeit fort. Dann, nach einer Nacht, die einen an die unerfreulichere geschichtliche Perioden Deutschlands erinnert, waren die Männer fort. Zusammen mit ihnen war auch fort nicht nur jedes Beweisstück, das die Anklage wegen „falscher Verdächtigungen“ gegen die Eltern untermauern konnte, sondern auch jedes Beweisstück, das die Familie Kantelberg-Abdulla quälend und mühevoll angesammelt hatte, um die Anschuldigung deswegen zu erhärten, dass Neonazis ihren Sohn ermordet hatten.

Ein Bekannte vor ein paar Tagen bemerkte, „In einer führenden deutschen Zeitung erschien neulich ein Artikel, in dem man die Arbeit der Dresdner Staatsanwaltschaft als ‚dilettantisch’ bezeichnet. Zeitungen in aufgeklärteren Ländern würden vielleicht ein anderes Wort verwenden, um diese Art Arbeit zu beschreiben“.

Die Eltern wurden nie von der Polizei bezüglich des Todes ihres Sohnes vernommen. Eigentlich haben Zeugen, die die Polizei vernahm, den Eltern gesagt, dass die Polizei sie niemals über Tatsachen fragte, die Licht in die Umstände des Todes des Kindes bringen konnten. Die Polizei interessierte sich nur dafür, Fragen über die angebliche „falscher Verdächtigungen“ zu stellen, die die Eltern verbreitet haben sollten.

„Das, was ich interessant fand“, sagte ein Freund, „war, dass kurz danach der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf in einem Fernsehinterview sprach, und dass dieses Interview immer wieder in den nächsten Tagen gezeigt wurde. Mit atemberaubender Selbstsicherheit — und mit erstaunend mangelnden Kenntnissen in dem Funktionieren des amerikanischen Rechtssystems — teilte er den Deutschen mit, dass wenn er in Amerika wäre, könnte er vor Gericht gehen und Schadenersatz in Höhe von DM 50 Millionen bekommen, wegen der Verleumdung, der er und der Staat Sachsen ausgesetzt worden waren“.

„Ja“, stimmte noch eine Bekannte zu, „anscheinend war sich Biedenkopf davon absolut nicht bewusst, dass die Art, wie der Staat die Familie Kantelberg-Abdulla behandelt hatte – so gut wie eine Entführung aus Berlin, die während der Nacht passierende Beschlagnahme von jedem Beweismittel, das sie vor Gericht verwenden konnten, um ihre Behauptungen zu untermauern oder sich zu verteidigen, und dann die Orchestrierung einer fast total einseitigen Medienkampagne, entstehend aus Innuendo und Einschüchterung — all das würde in Amerika einen so großen Sturm der Entrüstung, von New York bis Honolulu, dass ein amerikanischer Gouverneur oder Staatsanwalt, der sogar versucht, so etwas zu tun, gezwungen werden würde, zurückzutreten.“

Dann fügte noch eine Freundin dazu, „Die meisten Deutschen aber sind sich der Art und Weise nicht bewusst, wie das amerikanische Rechtssystem tatsächlich funktioniert. Also erzielte Biedenkopfs Drohung die gewünschte Wirkung. Nach dieser Drohung gab es in den Medien kaum einen Bericht über die Familie selbst. Es gab aber viele Berichte darüber, was die angeblichen Mörder erlitten haben sollten, während der Stunden, als sie von der Polizei in Haft gehalten und vernommen wurden.“

Noch eine Bekannte vor ein paar Tagen bemerkte, „Die Medien in Deutschland sind für Drohungen und Einschüchterung von den Obrigkeiten wie Biedenkopf so anfällig, dass keine einzige deutsche Zeitung oder Medienkonzern einen Bericht bekannt machen würde, der zu einem Prozess führen könnte, der DM 50 Millionen in Schadenersatz kosten könnte. Und obwohl politischer Einfluss auf die Arbeit verschiedener Staatsanwälte vielen Beobachtern seit langem klar ist, bezüglich der Skandale in den letzten Jahren in München, in Augsburg, in Bonn, in Berlin und anderswo, trotzdem nehmen deutsche Journalisten und die deutsche Öffentlichkeit alles für bare Münze, was ihre Staatsanwälte ihnen sagen, ohne sogar daran zu denken, sie sollten vielleicht die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen bezweifeln. Oder kann es sein, dass die meisten Menschen in Deutschland sich einfach nicht mit solchen ‚Kleinigkeiten’ befassen wollen? Es fällt ihnen einfach zu schwer. Es könnte Zeit und Kraft kosten.“

Die Fortsetzung dieses Briefes folgt nächste Woche.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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