Letter from Munich – 040

Letter from Munich – the Joseph Affair – 40

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

12 October 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

Heribert Prantl, a respected journalist with the authoritative German newspaper Sueddeutsche Zeitung, was interviewed on Bavarian state television on October 9. Prantl said that if there were a truly independent German justice system, where district attorneys were free of state influence, as they are in Italy, there would be less corruption in Germany, as has been the case in the Leuna Refinery affair – and, one might add, the Kohl campaign slush fund scandal.

Prantl didn’t say it, but it’s become obvious that there would also be less neo-Naziism in Germany, not only where cases like the Joseph Affair are concerned, but in other situations as well. This week in the Sueddeutsche Zeitung there was a headline (in German): “Skinhead Trial Threatens to Collapse.” The headline referred to the trial of the Skinheads who attacked a Greek man in Munich last winter. It turns out that one of the two jurors in the trial are members of an extreme right-wing Bavarian political party. One wonders if there is anyone who doesn’t now have doubts about the fairness of this trial? Or if there is anyone who doesn’t doubt that these skinheads must be laughing about what German President Johannes Rau said this past week, when he praised those ordinary German citizens who struggle against neo-Nazis in Germany – and those who struggled against the old Nazis? Even those neo-Nazis who are arrested are soon set free again.

Last week I ended the letter with the following excerpt from the transcript of the examination of Rene May, in the investigation into the death of the child Joseph Kantelberg-Abdulla:

In answer to a question, about whether he (i.e., the witness, Rene May) understood the significance of his sworn testimony and his statement today, the witness at first did not reply. In answer to a further question about whether Joseph’s death was an accident, in which the child had unfortunately drowned, he stated: “No, it wasn’t.”

In answer to a question about what it was, the witness did not reply. He was then told that according to his account, Joseph had been murdered, and he was asked if he understood that; he answered, “Yes.”

The transcript continues:

In answer to a question: “That was clear to me too, as I said to Joseph’s mother.”

In answer to a question about why he hadn’t spoken to his father (about what had happened), “I didn’t want to talk to him about it.”

In answer to a question about whether Joseph’s mother had come to his house to see him, “Yes, but my father didn’t let her in. I don’t know when that was.”

In answer to a question from the district attorney: “When I didn’t find Joseph in the large paddling pool, I went back to my place on the grass. Then everybody was whistled out with the guard’s whistle, and they stood around the paddling pool. I went there too. Then Joseph’s father got out of the ambulance that came there then and said that Joseph was dead. I went home alone. My brother was still at the swimming pool.”

In answer to a question: “Joseph was my friend. It was a real shock that he died.”

In answer to a question: “With my statement, I wanted to help myself forget, I mean this statement that I’ve just made and the one I gave to Joseph’s mother.”

In answer to a question about why he had at first said that he hadn’t seen or heard anything, and if he thought the court did not know about his sworn statement given to Joseph’s mother, he stated, “Yes, that’s what I thought.”

The transcript ends with questions about whether the witness can read and write.

About five weeks after the above questioning before the district court in Dresden, on 27 November 2000, the Dresden police interviewed Rene May’s father, Hanspeter May, at his residence in Sebnitz. In the transcript of this questioning by the police, a copy of which was given to the writer by Joseph’s mother, Hanspeter May insists that Joseph’s mother offered his son Rene a share in the sum of DM 2,000 to make the above statement before the court. (The rest of the DM 2,000 was supposed to be shared among other witnesses.)

I leave it to those who have read the entire transcript of Rene’s statement before the Dresden district court to decide whether the statement, even in translation, sounds as if it had been paid for.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

—… many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 12. Oktober 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

als Heribert Prantl, sehr angesehener Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, im Bayerischen Fernsehen am 9. Oktober interviewt wurde, sagte er, dass, wenn die deutsche Justiz und Staatsanwaltschaft echt unabhängig wäre, wie in Italien, es weniger Korruption in Deutschland geben würde, wie zum Beispiel bei der Leuna-Affäre der Fall ist – und, man könnte hinzufügen: bei dem Kohl-Spendenskandal der Fall ist.

Prantl hat es nicht gesagt, aber es ist offenkundig geworden, dass es auch weniger Neonazismus in Deutschland geben würde, nicht nur wo es sich um Fälle handelt, wie den Fall Joseph, sondern auch in anderen Situationen. Diese Woche gab es eine Schlagzeile in der Süddeutschen: „Skinhead-Prozess droht zu platzen“. Der Schlagzeile bezog sich auf den Prozess um die Skinhead-Attacke auf einen Griechen letzten Winter in München. Es stellt sich heraus, einer der beiden Schöffen im Prozess ist Mitglied der Republikaner. Man fragt sich, ob es jetzt irgendjemanden geben kann, der nicht an die Fairness dieses Prozesses zweifelt, unter solchen Umständen? Ob es jetzt irgendjemanden geben kann, der nicht zweifelt, dass diese Skinheads darüber lachen müssen, was Bundespräsident Johannes Rau diese Woche sagte, als er die Bürger lobte, die gegen die Neonazis kämpfen – und diejenige, die gegen die alten Nazis gekämpft haben? Sogar die Neonazis, die verhaftet werden, sind bald wieder auf freiem Fuß.

Ich habe den Brief von letzter Woche mit diesem Auszug aus dem Protokoll der Vernehmung des Zeugen Rene May, in dem Todesermittlungsverfahren des Kindes Joseph Kantelberg-Abdulla, beendet:

Auf Vorhalt, ob er (d.h. der Zeugen Rene May) sich über die Bedeutung seiner eidesstattlichen Erklärungen und seiner heutigen Aussage im klaren ist, antwortet er zunächst nicht. Auf weiteren Vorhalt, ob es sich um einen Unglücksfall handelt, bei dem der Joseph unglücklicherweise ertrunken ist, erklärt er: „Nein, das war es nicht.“

Auf Frage, was es denn war, antwortet er nicht. Auf Vorhalt, dass nach seiner Schilderung der Joseph ermordet worden ist; ob ihm das klar ist, antwortet er: „Ja.“

Fortsetzung des Protokolls:

Auf Frage: „Das mir auch schon klar, als ich bei der Mutti von Joseph ausgesagt habe.

Auf Vorhalt: warum er nicht mit seinem Vati darüber gesprochen hat. „Ich hatte keine Lust, mit ihm darüber zu reden“.

Auf Vorhalt, ob die Mutti von Joseph auch einmal zu ihm nach Hause gekommen ist: „Ja, aber mein Vati hat sie nicht reingelassen. Ich weiß nicht mehr, wann das war“.

Auf Frage StA: „Als Joseph von mir nicht gefunden wurde im großen Wasserbecken, bin ich wieder auf meinen Platz auf der Wiese. Es wurden dann alle mit einer Trillerpfeife herausgepfiffen und hinten standen alle am Wasserbecken herum. Ich bin auch hingegangen. Der Vater von Joseph stieg dann aus dem Krankenwagen, der dann kam and sagte, dass Joseph tot ist. Ich bin allein nach Hause gegangen. Mein Bruder war noch im Bad geblieben“.

Auf Frage: „Joseph war mein Freund. Es hat mich schwer getroffen, dass er tot ist“.

Auf Vorhalt: „Ich wollte helfen mit meiner Aussage, dass ich es vergessen kann und zwar mit der, die ich jetzt zuletzt gemacht habe und wie ich sie gegenüber der Mutti von Joseph abgegeben habe“.

Auf Vorhalt, warum er anfänglich erklärt hat, nichts gesehen und gehört zu haben, erklärt er auf den Vorhalt, ob er dachte, dass das Gericht die eidesstattlichen Versicherungen gegenüber der Mutti des Joseph nicht kennt: „Ja, das habe ich gedacht“.

Das Protokoll endet mit Fragen darüber, wie gut der Zeuge schreiben und lesen kann.

Die Dresdner Polizei haben Hanspeter May, Vater vom Zeugen Rene May, der oben zitiert wurde, in seiner Wohnung vernommen. In dem Protokoll dieser Vernehmung, eine Kopie davon Frau Kantelberg-Abdulla, Joseph’s Mutter, dem Verfasser dieses Briefes gegeben hat, behauptet der Vater, dass Frau Kantelberg-Abdulla seinem Sohn Rene einen Anteil an DM 2.000 anbot, wenn Rene die oben zitierte Aussage vor dem Gericht machen würde. (Angeblich sollten den Rest von DM 2.000 andere Zeugen bekommen.)

Ich überlasse es denen, die das gesamte Protokoll von Renes Aussage vor dem Amtsgericht Dresden gelesen haben, zu entscheiden, ob diese Aussage sich so anhört, als ob sie gekauft wurde.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

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