Letter from Munich – 043

Letter from Munich – the Joseph Affair – 43

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

2 November 2001

Dear Mr. Graf, dear friends,

“In Germany, district attorneys do what the politicians want,” said Philippe, “and it’s a good thing too. Think of the Bavarian arms dealing scandal, for example, in which the name Max Strauss, scion of Bavaria’s leading political dynasty, constantly appears. The former – actually the fired – district attorney Winfried Maier stated before an investigating committee of the Bavarian legislature, according to the Sueddeutsche Zeitung of 27 October 2001: ‘Effective investigation is no longer possible. . . . What had me personally very worried was that I was always supposed to write the case led one to such and such a conclusion, when in fact I had a quite different opinion’.”

Philippe laughed derisively. “And if politicians in Bavaria can put pressure on district attorneys in order to cover up an arms dealing scandal, do you really think that politicians in Saxony would find it difficult to cover up the fact that a single child, Joseph Abdulla, was killed by neo-Nazis, if these politicians wanted to protect either Saxony’s reputation or the offspring of prominent local families?”

“I don’t know,” I replied.

“You don’t know,” he repeated scornfully. “And I suppose you also don’t know that you are still, more and more, being harassed at your little university, because of those stupid letters you write every week. And you also don’t know, I’m sure, that one example of this harassment is the fact that pages of reading material for your students are constantly disappearing from the university’s copy center.”

“No, I don’t know that,” I said somewhat confusedly, “and even if I did know it, I wouldn’t believe it.”

He laughed. “And you also don’t know, I suppose, whether or not the university lecturer in English has a key to the copy center?”

“He has nothing to do with mobbing!” I said, very loudly.

He laughed again. “Let’s change the subject. What I want to know is this: do you really have the slightest idea what is going to happen if you dare continue quoting official transcripts of criminal proceedings in those ridiculous ‘Letters from Munich’?”

“I don’t quote them,” I said, again a little too loud. “Other people quote them and I just write what these people say.”

He laughed once again. “We’ll see whether or not any German judge is going to accept such an asinine argument in your defense. With your gracious permission,” he added sarcastically, “I’d like to read a few lines from another issue of the Sueddeutsche from last week: ‘The controversial disappearance of computer data, as well as the destruction of important documents related to the (Kohl government’s) slush fund scandal, in Kohl’s office, has had legal consequences. However, those accused are not members of Kohl’s government, but rather three editors of the Hamburg newspaper Die Zeit. They have been charged by the Hamburg district attorney with quoting in a news article “essentially word for word, official documents related to criminal and disciplinary proceedings” before any public hearings had taken place; this is a punishable offense’.”

He smiled with satisfaction. “As always in Germany, the victims get blamed, because all Germans, journalists or not, are Kohl’s victims, and they deserve to be.”

He stared at me. “Speaking of punishable offenses, and of people who should be punished, how are things with Joseph’s parents? I suppose they’re still insisting that their child was murdered?”

Anton interrupted us. “Philippe, it will probably be a source of great pleasure – great malicious pleasure – if I tell you that Joseph’s father phoned me a few days ago and said that he was almost in despair. He’s bankrupt. He has no work and no income. The politicians in Saxony have just about managed to finish him off. And Joseph’s mother sent me a letter: ‘Saad and I have written a response to the district attorney’s decision to end all proceedings related to Joseph’s death. We haven’t yet sent the response, though, because it just doesn’t seem worth it to go on corresponding with corrupt justice officials who are blind to the truth. As a well-known attorney said to Saad, in virtually these words, after Joseph’s murder: “The German justice system is influenced by the right, Mr. Abdulla. You’re a foreigner. I would say you have a fifty percent chance of ever having this case resolved. Despite that, do you still want to proceed?” The three murderers are still running around quite happily. I think it’s only a matter of time before they find their next victim’.”

This letter will be continued next week.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

E-M… for Saad and Renate Kantelberg-Abdulla:  majoskantelberg at t-online.de

–… many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass die folgende Übersetzung viele Fehler enthält. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 2. November 2001

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

„In Deutschland tun die Staatsanwälte das, was die Politiker wollen“, sagte Philippe, „und das ist auch gut so. Im bayerischen Waffenhandelsskandal, zum Beispiel, in dem der Name Max Strauß immer wieder auftaucht, hat der ehemaliger – eigentlich gefeuerter – Staatsanwalt Winfried Maier vor dem Ausschuss des bayerischen Landtags ausgesagt, nach der Süddeutschen Zeitung vom 27. Oktober 2001, ,Konsequente Ermittlungen sind nicht mehr möglich. . . . Mich hat persönlich aufgeregt, dass ich immer schreiben sollte, das ist so und so, wenn ich anderer Auffassung war’.“

Philippe lächelte höhnisch. „Und wenn die Politiker in Bayern die Staatsanwaltschaft unter Druck setzten kann, um einen Waffenhandelsskandal zu vertuschen, glaubst du wirklich, dass es den Politikern in Sachsen schwer fallen würde, die Tatsache zu vertuschen, dass ein einziges Kind, Joseph Abdulla, von Neonazis getötet wurde, wenn diese Politiker entweder den Ruf des Staates oder die Nachkommenschaft von wichtigen Familien in Sachsen schützen wollten?“

„Das weiß ich nicht“, antwortete ich.

„Das weißt du nicht“, wiederholte er spöttisch. „Und ich gehe davon aus, dass du auch nicht weißt, dass du wegen deiner blödsinnigen wöchentlichen Briefe immer noch und immer stärker gemobbt wirst, an deinem Universitätchen. Und du weißt auch nicht, dass es ein Beispiel für Mobbing ist, dass Seiten vom Lesestoff für deine Studenten immer wieder aus der Universitätskopierstelle verschwinden, oder?“

„Nein, das auch weiß ich nicht“, sagte ich etwas verwirrt, „und sogar wenn ich das wüßte, würde ich es nicht glauben“.

Er lachte. „Und du weiß auch nicht, nehme ich an, ob der Universitätslektor für Englisch einen Schlüssel zu diese Kopierstelle hat“.

„Dieser Mann hat nichts mit Mobbing zu tun!“ sagte ich, sehr laut.

Er lachte nochmals. „Lassen wir dieses Thema. Was ich eigentlich wissen will, ist dies: hast du wirklich nicht die leiseste Ahnung, was dir passieren wird, wenn du amtliche Schriftstücke eines Strafverfahrens in deinen lächerlichen ,Briefen aus München’ weiterzitieren wagst?“

„Ich zitiere sie nicht“; sagte ich, nochmals etwas ein wenig zu laut. „Andere Menschen zitieren sie, und ich schreibe nur das, was diese Menschen sagen.

Noch einmal lachte er. „Wir werden sehen, ob ein deutscher Richter so ein dummes Argument zu deiner Verteidigung annehmen wird. Mit Ihrer gütigen Erlaubnis“, fügte er sarkastisch hinzu, „möchte ich noch ein paar Zeilen aus der Süddeutschen von letzter Wochen vorlesen: ,Die umstrittene Löschung von Daten sowie die Beseitigung wichtiger Akten über den CDU-Finanzskandal aus dem Bundeskanzleramt findet ein gerichtliches Nachspiel. Angeklagt sind aber nicht ehemalige Verantwortliche aus der Regierung von Helmut Kohl, sondern drei Redakteure des Hamburger Wochenblatts Die Zeit. Ihnen wird von der Hamburger Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in einem der Artikel „amtliche Schriftstücke eines Strafverfahrens und eines Disziplinarverfahrens in wesentlichen Teilen im Wortlaut“ noch vor der öffentlichen Verhandlung zitiert zu haben; dies sei strafbar’.“

Er lächelte vor Zufriedenheit. „Wie immer in Deutschland, gibt man den Opfern die Schuld, weil alle Deutschen, Journalisten und nicht Journalisten Kohls Opfer sind, und sie haben es verdient“.

Er starrte mich an. „Und apropos das, was strafbar ist, und diejenigen, die gestraft sein müssen, wie geht es mit den Eltern von Joseph? Ich gehe davon aus, dass sie nach wie vor behaupten, dass ihr Kind ermordet worden ist?“

Hier unterbrach Anton unser Gespräch. „Na ja, Philippe, es wird dir wahrscheinlich eine reine Freude machen – oder besser gesagt, eine reine Schadenfreude – wenn ich dir sage, dass der Vater mich vor ein paar Tagen angerufen und mir gesagt hat, dass er fast verzweifelt sei. Er war bankrott. Er hat keine Arbeit und kein Einkommen. Die sächsischen Politiker haben es fast geschafft, ihn fertig zu machen. Und die Mutter hat mir vor einigen Tagen diesen Brief zugeschickt: ,Saad und ich haben schon lange die Antwort auf die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft fertig geschrieben. Bis jetzt haben wir aber die Erwiderung nicht an die Staatsanwaltschaft abgeschickt, da es sich nicht lohnt mit einer korrupten und auf dem rechten Auge blinden Justiz zu korrespondieren. Wie sagte ein renommierter Rechtsanwalt kurz nach der Ermordung Josephs sinngemäß zu Saad: „Die deutsche Justiz ist rechts, Herr Abdulla. Sie sind Ausländer. Ich gebe Ihnen höchtens eine Chance von 50%, daß der Fall aufgeklärt und verhandelt wird. Wollen Sie sich trotzdem rechtsanwaltlich vertreten lassen?“ Die drei Hauptmörder laufen also munter weiter herum. Es ist meines Erachtens nur eine Frage der Zeit bis sie ihr nächstes Opfer finden’.“

Fortsetzung folgt nächste Woche.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

E-M… an Herrn und Frau Dr. Kantelberg-Abdulla:  majoskantelberg at t-online.de

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