Letter from Munich – 059

Letter from Munich – the Joseph Affair – 59

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

22 February 2002

Dear Mr. Graf, dear friends,

“Yesterday morning in ‘Morgenmagazin,’ Germany’s equivalent of the “Today” show,” said Francesca, “there was a report about the serious and growing problem of neo-Nazis in, of all places, Sebnitz, the town where the child Joseph was killed. The reporter and others commented on the feelings of fear that are widespread among the townspeople. I think it is in this context of intimidation and fear, occasioned partly by the constant presence of so many neo-Nazis and partly even by the right-wingers among the police themselves, that we should consider the rest of the transcript of Rene May’s statement to the Dresden police. In this statement he retracted his original statement, delivered to a judge in Dresden, in which he described what he witnessed when Joseph was killed.

“Incidentally, we see here what’s happened in the last year, since Joseph’s parents were harassed and driven from Sebnitz. It was a year in which Saxony’s Prime Minister, Kurt Biedenkopf, repeatedly denied that there could possibly be neo-Nazis among the good citizens of Saxony. We can see what happens when you deceive yourself into thinking that the problem of neo-Nazis in Germany can be solved by ignoring it or trying to keep it secret.

“In the context of Joseph’s murder, we should also bear in mind the numerous reports of the way judges, police and district attorneys in Germany can be easily manipulated. There was, for example, earlier this week another report, broadcast by the authoritative Swiss-Austrian-German television channel 3Sat, in their program “Kulturzeit,” about the way the justice system in the German state of Baden-Wuerttemberg has been manipulated to protect all those, including high-ranking state politicians, who have been implicated in the so-called ‘Flowtex Scandal.’

“And the Flowtex Scandal is only one of many such scandals in Germany which have never been satisfactorily resolved. In fact, as Heribert Prantl, a leading editorial writer for the influential Sueddeutsche Zeitung, has written, there has never been a single major political scandal in the history of the Federal Republic of Germany since the war that has ever been satisfactorily resolved.

“If there has never been a resolution of any major political scandal, then it is not surprising that in the case of the murdered boy Joseph, which is a relatively minor scandal, though also partly a political one, there has never been a satisfactory resolution.

“Again, with this in mind, I would like to continue reading Rene May’s retraction, given to the Dresden police. I want to emphasize that it was Joseph’s parents themselves who gave me this transcript, which would be so damaging to their case, if they were not telling the truth, and if Rene May had not told the truth in his original statement before a judge.

“Last week my reading ended with the following exchange.”

Question: Did everything happen as it was presented during the questioning (before the judge), or are there things there that are not true.

Answer: What I said during the questioning is true.

“The officers, however, are not satisfied with this answer,” said Francesca, “The transcript continues.”

Question: From what time and until what time were you at the Dr. Petzold Swimming Pool in Sebnitz on 13 June 1997?

Answer: I went to the swimming pool with my little brother Sven around one o’clock in the afternoon. My little brother stayed at the pool until around six o’clock. I left then, though, after it happened.

Francesca interrupted the reading once again. “I think the boy was hoping that the officers would at this point demand the truth and ask, the way most people would, ‘After WHAT happened?’ But for some reason the officers avoided asking that question at this point. Why? In my opinion, it’s because they knew that it wasn’t yet clear to the boy that they were interested only in the newer version of the story that the boy had previously been pressured into telling.

Continued next week.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

E-M… Saad and Renate Kantelberg-Abdulla:  majoskantelberg at t-online.de

–… many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass, wenn es um eine Übersetzung aus der deutschen Sprache ins Englische geht, viele Fehler hervortreten müssen. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

München, den 22. Februar 2002

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

„Gestern morgen im ‚Morgenmagazin,’“ sagte Francesca, „gab es einen Bericht über das ernsthafte und wachsende Problem mit Neonazis ausgerechnet in Sebnitz, der Stadt, wo das Kind Joseph ermordet wurde. Ein Journalist und andere machten darüber Bemerkungen, dass ein Gefühl der Angst und Furcht unter den Burgern von Sebnitzt verbreitet zu sein scheint. Ich glaube, es ist in diesem Zusammenhang von Einschüchterung und Furcht, teilweise durch die ständige Anwesenheit von so vielen Neonazis und teilweise sogar von den Rechten unter den Polizeibeamten verursacht, dass wir über den Rest der Aussage von Rene May nachdenken sollten, die er der Dresdner Polizei abgab. In dieser Aussage nahm er seine ursprungliche Aussage, vor einem Richter abgegeben, zurück. Dies war die Aussage, in der er das beschrieb, was er sah, als Joseph ermordet wurde.

Übrigens können wir hier sehen, was in dem letzten Jahr passiert ist, einem Jahr, wo Josephs Eltern verfolgt und aus Sebnitz vertrieben wurden, einem Jahr, wo die Regierung von Ministerpräsident Kurt Biedenkopf immer wieder bestritt, dass es Neonazis unter den guten Bürgern von Sachsen geben könnte. Wir können sehen, was passiert, wenn man irrigerweise glaubt, dass das Problem mit Neonazis in Deutschland dadurch gelöst werden kann, dass man es ignoriert oder versucht, es zu vertuschen.

Im Kontext von Joseph’s Mord sollten wir nicht die zahlreiche Berichte darüber nicht vergessen, wie leicht es in Deutschland ist, Richter, Polizei und Staatsanwälte zu manipulieren. Zum Beispiel gab es diese Woche in der 3Sat-Sendung „Kulturzeit“ einen Bericht darüber, wie das Justizsystem in Baden-Württemberg manipuliert wurde, um all diejenige zu schützen, einschließlich hochrangiger Politiker des Landes, die in dem Flowtex-Skandal vertwickelt werden.

Und der Flowtex-Skandal ist nur einer von vielen solchen Skandalen in der Bundesrepublik, die nie gründlich untersucht und gelöst wurden. Eigentlich, wie Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung geschrieben hat, in der ganzen Geschichte Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es keinen einzigen großen politischen Skandal, der jemals richtig untersucht und gelöst wurde.

Und wenn kein großer politischer Skandal niemals gelöst wurde, dann ist es keine große Überraschung, dass im dem relativ kleinen Skandal von Josephs Mord, einem Skandal, der auch teilweise politisch ist, es bis jetzt keine richtige Lösung gibt.

Noch einmal, mit all diesem in Erinnerung, möchte ich Rene Mays Zurücknahme weiter vorlesen, die Zurücknahme, die er der Dresdner Polizei abgab. Und ich will betonen, dass es Josephs Eltern waren, die mir dieses Vernehmungsprotokoll gegeben haben, ein Protokoll, das ihrer Sache schaden würde, wenn sie nicht die Wahrheit sagten, und wenn Rene May nicht die Wahrheit gesagt hätte, in seiner ersten Aussage vor der Richterin in Dresden.

Letzte Woche hat meine Vorlesung mit den folgenden Worten geendet.“

„Frage: Ist das alles so abgelaufen wie es in der Vernehmung (vor der Richterin) steht oder gibt es Sachen, die in der Vernehmung stehen, die nicht stimmen?

Antwort: Das was ich in der Vernehmung gesagt habe stimmt.“

„Die Beamten aber sind nicht mit dieser Behauptung zufrieden“, sagte Francesca. „Das Protokoll setzt sich fort“.

„Frage: Von wann bis wann hast Du Dich am 13.06.1997 im Dr-Petzold-Bad in Sebnitz aufgehalten?

Antwort: Ich bin 13.00 Uhr mit meinem kleinen Bruder Sven in das Petzoldbad gegangen. Mein Kleiner ist bis um sechs im Bad geblieben, ich bin eher gegangen, als es dann passiert ist.“

Francesca unterbrach die Vorlesung noch einmal. „Ich glaube, der Junge hoffte, dass die Beamten jetzt von ihm die Wahrheit verlangen würden und dass sie fragen würden, wie die meisten Menschen es tun würden, ‚Als WAS dann passiert ist?’ Aber aus irgendeinem Grund haben die Beamten vermieden, diese Frage zum diesen Zeitpunkt zu stellen. Warum? Meiner Meinung nach, weil sie wussten, dass es dem Jungen noch nicht klar sei, dass sie nur ein Interesse für die neuere Version der Geschichte hätten, die der Junge vorher gezwungen worden war, zu erzählen“.

Fortsetzung nächste Woche.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

Mauerkircherstrasse 68

81925 Germany

Telephone: +49.89.981.0208

E-Mail:  rjbennett at post.harvard.edu

E-M… an Herrn und Frau Dr. Kantelberg-Abdulla:  majoskantelberg at t-online.de

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