Letter from Munich – 095

Letter from Munich – the Joseph Affair – 95

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

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1 November 2002

Dear Mr. Graf, dear friends,

Last week Jean-Paul read out the following sentence from young Daniel Steiner’s sworn statement of 13 February 2000: “Joseph got out of the water, went back to his towel and dried himself off. Joseph walked quickly and, I believe, didn’t think anything of it.”

This week Jean-Paul continued reading the sworn statement to us: “Then Sandro Richter and Maik Hauke came over to where Joseph was sitting. They took hold of his arm roughly and dragged him over to Thalheim’s kiosk. Joseph was crying loudly. The heavy-set attendant with the short, dark hair saw all this clearly. She just looked and then turned away. She was standing outside of the control room. Maik Hauke and Sandro Richter spoke to Joseph and said something like, ‘Now we’ve got you.’ Joseph was bawling loudly and tried to defend himself. That day there were about twenty or thirty older members of the right wing there, between twenty and thirty years old. They were standing at the side of Thalheim’s kiosk, when Maik Hauke and Sandro Richter dragged Joseph there. Ute Schneider was standing next to the kiosk, she’s the daughter of Schneider the pharmacist. Ronny Kunte, Kai Bleschke, and Rene Großmann were with her. As Joseph was being dragged to the kiosk by Maik Hauke and Sandro Richter, Ute Schneider went to the counter there and bought a cup of a herbal drink. I was lying at the corner where the baby pool is, by Thalheim’s kiosk, and I could see everything from there. I saw Ute Schneider poor something from a small, dark, glass container into the cup. She swirled the cup around to mix everything. Joseph was crying loudly, but the older Thalheim couple weren’t concerned about that.

The heavy-set attendant saw that too, but did nothing. Maik Hauke was holding Joseph tight. Sandro Richter held Joseph’s mouth open and bent his head back. Ute Schneider poured the liquid into his mouth. A little of it ran down his mouth. Right there in front of Thalheim’s, while Ute Schneider was pouring the liquid into Joseph’s mouth, Sandro Richter was swearing at Joseph and saying, ‘You shit-foreigner, we’re going to kill you now’. Ute Schneider laughed at that. Then they let go of Joseph and he staggered around badly, in the direction of the shallow pool. He held onto the handle of the water faucet and went on crying. He was wobbling, but he didn’t say anything. When he was holding onto the handle rod, he was already muddled in the head. His eyes were half-closed, and he was feeble, hanging on to the handle rod. It was just before the time when the fountain at the pool was turned on. It took about two minutes until Joseph was gone, so the stuff worked very fast.

Then Sandro Richter and Maik Hauke came back. They took him away from the water faucet – Joseph was still feebly hanging on to the handle rod. Maik Hauke took the upper part of Joseph’s body under his arm. Sandro Richter was holding him too. Sandro Richter put a towel over him so nobody could see. Joseph wasn’t kicking any more. I think he was already gone.”

“But I have to again ask,” I said, “if it’s possible for something like that to really happen in a country governed by the rule of law, like Germany, without those responsible being arrested.”

“There is more than one Germany,” Jean-Paul replied, somewhat sadly, it seemed to me.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

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Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass, wenn es um eine Übersetzung aus der deutschen Sprache ins Englische geht, viele Fehler hervortreten müssen. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

Alle Briefe aus München sind abrufbar:

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München, den 1. November 2002

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

Letzte Woche hat Jean Paul den folgenden Satz aus der Eidesstaatlichen Versicherung von Daniel Steiner, dem kleinen Jungen, vom 13.02.2000 vorgelesen: „Joseph ist schnell gelaufen, dachte sich, glaube ich, nichts dabei.“

Diese Woche fuhr Jean-Paul fort die Eidesstaatliche Versicherung vorzulesen: „Dann kam Sandro Richter und Maik Hauke zu Josephs Lagerplatz, wo Joseph saß. Sie packten ihn hart am Arm und schleppten ihn zu Thalheims. Joseph weinte laut. Die dicke Aufpasserin mit den kurzen, dunklen Haaren hat diesen Vorgang ganz genau gesehen, sie guckte nur und drehte sich weg. Sie stand draußen am Kontrollraum. Maik Hauke und Sandro Richter sagten zu Joseph etwas in der Richtung: ‚Jetzt haben wir dich’. Joseph hat laut geheult und sich gewehrt. An diesem Tag waren ungefähr 20 bis 30 ältere Rechte da, von ungefähr 20 bis 30 Jahren. Sie standen an der Seite zu Thalheims hin, wo Maik Hauke und Sandro Richter Joseph zu Thalheims schleppten. Bei Thalheims stand Ute Schneider, die Tochter vom Apotheker Schneider, Ronny Kunte, Kai Bleschke, und Rene Großmann. Als Joseph durch Maik Hauke und Sandro Richter hingeschleppt bei Thalheims ankam, ging Ute Schneider zur Theke von Thalheims und kaufte ein Becher Waldmeister. Ich lag gleich um die Ecke, wo das Babybecken ist, bei Thalheims und konnte von dort aus alles beobachten. Ich sah wie Ute Schneider etwas aus einem kleinen dunklen Glasbehälter in den Becher Waldmeister schüttete. Sie bewegte den Becher hin un her um es zu vermischen. Joseph weinte laut, aber die älteren Thalheims haben sich darum nicht gekümmert.

Die dicke Aufpasserin hat das auch gesehen, hat aber nichts gemacht. Maik Hauke hielt Joseph fest, Sandro Richter hielt Joseph den Mund auf und bog ihm den Kopf nach hinten, Ute Schneider goß ihm die Flüssigkeit in den Mund. Ein bisschen von der Waldmeister lief an seinem Mund runter. Vor Thalheims, während Ute Schneider Joseph die Flüssigkeit in den Mund goß, beschimpfte Sandro Richter Joseph mit den Worten: ‚Du schieß Ausländer, jetzt bringen wir dich um’. Ute Schneider lachte dabei. Dann haben sie losgelassen und Joseph tief torkelnd herum in Richtung flaches Becken, hielt sich dort am Stiel des Wasserhahns fest und weinte immer noch. Er eierte herum, er sagte aber nichts. Als er sich an der Stange festhielt, war er schon benebelt, er hatte die Augen schon halb zu und hing schlapp an der Stange. Es war vor dem Einschalten des Sprudels. Es hat ungefähr nur zwei Minuten gedauert bis Joseph schon so weg war, das Zeug wirkte also sehr schnell.

Dann kam Sandro Richter und Maik Hauke zurück. Sie nahmen ihn von der Stange weg. Joseph hing schlapp an der Stange. Maik Hauke nahm seinen Oberkörper unter seinen Arm, Sandro Richter hat ihn mit so eingeengt. Sandro Richter tat ein Handtuch über ihn, dass man ihn nicht so sieht. Joseph hat nicht mehr gestrampelt, meiner Meinung war er schon weg.“

„Aber noch einmal muss ich fragen“, sagte ich, „ob es möglich ist, dass so etwas in einem Rechtstaat wie Deutschland wirklich passieren könnte, ohne die Täter verhaften zu werden“.

„Es gibt mehr als ein einziges Deutschland“, erwiderte Jean-Paul, etwas traurig, so scheint es mir.

Fortsetzung folgt.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

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