Letter from Munich – 100

Letter from Munich – the Joseph Affair – 100

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.

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6 December 2002

Dear Mr. Graf, dear friends,

One of my friends sent the following message to Joseph’s parents, after he’d read the copy of their letter of last week.

“Thank you for your telephone call, for the article and for the copy of the letter you sent to the Arab League in Bonn.

“A few weeks ago, when I read about the first television broadcast of the film “Sebnitz – die perfekte Story” (“Sebnitz – the Perfect Story”) over ARTE, I was somewhat depressed. Then it occurred to me that even this negative presentation of Joseph’s story is a small victory for us.

“The film shows that the truth about Joseph’s murder is still a problem in Germany. If it were really true that Joseph’s death was simply an accident, then everyone – politicians, journalists, and everyone else – would just forget it.

“The politicians and journalists and others can’t do that, though. They simply cannot forget Joseph’s death, because in their heart of hearts they know – or at least suspect – that his death was no accident.

The English and Americans have a term, ‘cognitive dissonance,’ used to describe the discrepancy between what a person believes on the surface to be true and what they know deep within themselves the truth really is.

“The more one tries to suppress the truth, the more one feels this dissonance. I think that’s happening now in Germany, as far as Joseph’s death is concerned, otherwise this documentary would never have been made. Through such a film, people try to reconcile the disharmony between a lie and the truth, but only the truth can really get rid of the disharmony.

“You wanted to know what I thought of your letter and that’s it.

“I only want to add one thing: I don’t know if it’s true that ‘about thirty attempts on the part of the filmmaker to contact you, through your lawyer were unsuccessful,’ but perhaps you should in the future speak with such people. I think you should speak with anyone who wants to talk with you about Joseph’s death, even if you think they don’t believe a word you’re saying. I think you should speak continually with anyone who wants to speak with you. The truth is everything. Speak with them so that they will never be able to forget the truth about Joseph’s death, and will never be able to suppress it.”

Sincerely yours,

Robert John Bennett

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Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er weiß, dass, wenn es um eine Übersetzung aus der deutschen Sprache ins Englische geht, viele Fehler hervortreten müssen. Er hofft aber, man werde diese Fehler übersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu können, was in diesem Schreiben und in dieser Affäre von zentraler Bedeutung ist.

Alle Briefe aus München sind abrufbar:

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München, den 6. Dezember 2002

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

Einer meiner Freunde hat den Eltern von Joseph die folgende Nachricht zugeschickt, nachdem er eine Kopie des Briefes von der letzten Woche gelesen hatte:

„Vielen Dank für den Anruf und für die Artikel und für die Kopie des Briefes an die Liga der Arabischen Staaten in Bonn.

Vor ein paar Wochen, als ich von der ersten Ausstrahlung des Filmes „Sebnitz – Die perfekte Story“ über ARTE gelesen habe, war ich etwas deprimiert. Aber dann ist es mir eingefallen, dass auch diese negative Darstellung der Geschichte von Joseph ein kleiner Sieg für uns ist.

Diese Darstellung zeigt, dass die Wahrheit über Josephs Ermordung immer noch ein Problem in Deutschland ist. Wenn es wirklich wahr wäre, dass Josephs Tod nur ein Unfall war, dann würden alle – Politiker, Journalisten und andere – ihn einfach vergessen.

Die Politiker und Journalisten und andere können das aber nicht tun. Sie können Josephs Tod einfach nicht vergessen, weil sie im tiefsten Herzen wissen oder mindestens vermuten, dass sein Tod kein Unfall war.

Es gibt auf Englisch einen Begriff: „cognitive dissonance“ – kognitive Disharmonie. Das ist die Disharmonie zwischen dem, was man oberflächlich glaubt, die Wahrheit ist, und dem, was man in tiefstem Herzen weiß, die Wahrheit ist.

Je mehr man versucht, die Wahrheit zu unterdrucken, desto mehr spürt man diese Disharmonie. Ich glaube das passiert jetzt in Deutschland, wo es um Josephs Tod geht, sonst wäre dieser Dokumentarfilm nie gedreht worden. Man versucht durch so einen Film, die Disharmonie zwischen einer Lüge und der Wahrheit in Einklang zu bringen, aber nur die Wahrheit kann diese Disharmonie wirklich erledigen.

Also, Ihr wolltet wissen, was ich über Euren Brief denke, und das ist es.

Ich will nur eins hinzufügen: Ich weiß nicht, ob es wahr ist, dass „etwa 30 Versuche der Filmemacher, über ihren Rechtsanwalt Kontakt aufzunehmen, ergebnislos geblieben seien“, aber vielleicht sollt Ihr in der Zukunft mit solchen Menschen sprechen. Ich glaube, Ihr sollt mit allen sprechen, die mit euch über Josephs Tod sprechen wollen, sogar wenn Ihr denkt, sie glauben kein Wort, was Ihr sagt. Ihr sollt kontinuierlich sprechen, meiner Meinung nach, mit jedem, der mit euch sprechen will. Die Wahrheit ist alles, also sprecht mit ihnen, damit sie die Wahrheit über Josephs Tod nie vergessen und nie unterdrücken können“.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

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