Letter from Munich – 105

Letter from Munich – the Joseph Affair – 105

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. (German translation below – German language character set required for correct display.)

http://www.joseph_affair.blogspot.com

10 January 2003

Dear Mr. Graf, dear friends,

A friend of mine continued reading an official “Remark” prepared by the homicide squad at Dresden Police Headquarters. The document is dated 26 November 2000:

“Daniel then came down and opened the door. To a question as to whether his mother was at home, Daniel answered no. He said she had gone away. At the same time, a male individual entering the back door of the house next door observed the proceedings. Daniel greeted this individual. A moment later it turned out that he was Herr Juergen Reichel, the partner of Frau Steiner, Daniel’s mother.

“Herr Reichel wanted to know what was happening. When asked where Frau Steiner was, he replied that she had returned from the hospital in Sebnitz only yesterday and that she was at home. Herr Reichel volunteered the information that Frau Steiner was too weak to speak to the police.”

“Might it be,” asked my friend, “that she was too weak to make a statement that might contradict her earlier statement and that this new statement would have to be a lie? But we don’t want to speculate about anything like that, do we? In any case, it goes without saying that no attorney was present when the police picked Daniel up and questioned him.”

My friend continued reading the statement:

“The undersigned asked Herr Reichel to tell Frau Steiner right away, that her son Daniel would have to come along to Dresden Police Headquarters and that Frau Steiner was free to decide if she wanted to participate in the questioning, which was obligatory for Daniel.

“It was further explained that the proceedings would go on until the evening and that Daniel would in any case be brought back home. Herr Reichel was given a telephone number to call if there were any questions.

“Herr Reichel and Daniel then went into the apartment together, with Herr Reichel saying loudly, ‘Daniel you’re still going to be really famous.’

“A little later Daniel came back to the entrance, and at 1:10 p.m. he left Sebnitz with the officers mentioned. During the trip he said that his mother had been in the hospital because of a swollen leg and that she couldn’t walk very well. He emphasized that he had originally planned to meet his girl friend today but that he’d called her and cancelled their date.

“There was no further conversation during the trip. The undersigned ask Daniel if he was always so quiet and replied that he was.

“At 2:00 p.m. Daniel was asked to wait in a duty room at police headquarters because his questioning was going to be delayed.

“He was offered food and drink, but Daniel assured us that he wasn’t hungry, even though he hadn’t eaten since breakfast. He did have something to drink.

“When asked, he said that he had a slight cold but no fever. He indicated that the ruddiness of his complexion had more to do with the fact that he had had little sleep the night before. The reason for that was that he’d been to a party with some friends. (Signed) Detective Superintendent Neubert.”

“And now,” said my friend somewhat sarcastically, “the police have prepared us for Daniel’s confused and even rather strange reaction to questions he was asked during the interrogation: he had a cold and had slept badly.”

Sincerely yours,

Robert John Bennett

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Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Alle Briefe aus München sind abrufbar: http://www.joseph_affair.blogspot.com

München, den 10. Januar 2003

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

ein Bekannter fuhr fort, einen „Vermerk“ von dem Polizeipräsidium Dresden, Kriminalpolizeiinspektion, Mordkommission vorzulesen. Dieses Dokument trägt das Datum vom 26.11.2000:

„Daniel kam daraufhin herunter und öffnete die Haustür. Die Frage, ob die Mutter zu Hause wäre, verneinte er. Daniel bemerkte, dass sie weggefahren wäre. Zur selben Zeit beobachtete eine männliche Person, welche durch den Hintereingang das Haus 22 betrat, das Geschehen. Daniel begrüßte diese Person. Wie sich wenig später herausstellte, handelte es sich dabei, um den Lebensgefährten der Frau Steiner, den Herr Jürgen Reichel.

Dieser wollte wissen, was nun schon wieder los sei. Auf die Frage, wo sich Frau Steiner aufhalten wurde, antwortete er, dass sie erst am gestrigen Tag aus dem Krankenhaus in Sebnitz gekommen ist und in der Wohnung wäre. Ohne danach gefragt zu werden, erklärte Herr Reichel, dass Frau Steiner zu schwach wäre, um mit der Polizei zu sprechen“.

„Kann es sein“, fragte mein Bekannter, „dass sie zu schwach war, um eine Aussage zu machen, die ihrer vorherigen Aussage widersprechen und eine Lüge sein müsste? Aber wir wollen darüber nicht spekulieren, oder? Auf jeden Fall, versteht es sich von selbst, dass kein Rechtsanwalt anwesend war, als die Polizisten Daniel abholten und vernahmen“.

Er fuhr fort, vorzulesen:

„Der Uz. bat Herrn Reichel ihr (d.h., Frau Steiner) umgehend mitzuteilen, dass ihr Sohn Daniel mit zum Polizeipräsidium Dresden fahren müsste und es Frau Steiner frei stehe an der erforderlichen Vernehmung teilzunehmen.

Weiterhin wurde erklärt, dass die Maßnahme bis zum Abend dauern würde und Daniel auf jeden Fall wieder zurückgebracht würde. Herrn Reichel wurde für Nachfragen, die Telefonnummer 0351 483 2260 aufgeschrieben.

Herr Reichel betrat gemeinsam mit Daniel die Wohnung. Dabei sagte er laut, ‚Daniel, du wirst noch ganz berühmt’.

Wenig später erschien Daniel an der Eingangstür und fuhr mit den genannten Beamten, um 13.10 Uhr in Sebnitz ab. Auf der Fahrt gab er zu verstehen, dass seine Mutter wegen einen dicken Bein im Krankenhaus gewesen wäre und sie schlecht laufen konnte. Er betonte, dass er sich eigentlich am heutigen Tag mit seiner Freundin treffen wollte, diese Verabredung aber telefonisch abgesagt hätte.

Weitere Gespräche gab es während der Fahrt nicht. Auf die Frage des Uz., ob Daniel immer so ruhig wäre, antwortete er mit Ja.

14.00 Uhr wurde Daniel gebeten, in einem Dienstraum des Polizeipräsidiums zu warten, da sich die geplante Maßnahme noch etwas verzögert.

Ihm wurden Getränke und Speisen angeboten. Daniel versicherte, dass er lediglich gefrühstückt hätte, jedoch keinen Hunger verspürt. Ein Getränk nahm er an.

Auf Frage, gab er zu verstehen, dass er leicht erkältet wäre, jedoch kein Fieber hätte. Die Rotfärbung des Gesichtes hätte mit sehr wenig Schlaf zu tun. Der Grund dafür sei eine Fete bei Kumpels gewesen. (Unterzeichnet) KHK Neubert“.

„Und jetzt“, sagte mein Bekannter etwas sarkastisch, „hat die Polizei uns darauf gefasst gemacht, dass Daniels Reaktion auf die Frage während der Vernehmung etwas verwirrt oder sogar komisch sein könnte: Er hat sich nämlich erkältet und sehr wenig geschlafen“.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

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