Letter from Munich – 109

Letter from Munich – the Joseph Affair – 109

EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. (German translation below – German language character set required for correct display.)

http://www.joseph_affair.blogspot.com

7 February 2003

Dear Mr. Graf, dear friends,

My friend commented, “Notice in this interrogation how the police put Daniel in the position of forcing him to make an impossible choice: on the one hand, he can insist on giving the names of the people he says killed Joseph, and thereby put himself in danger of retaliation from the right-wing extremists they know he’s afraid of, or on the other hand he can avoid danger by saying he was paid for false testimony and by simply denying everything he told the judge in Dresden about Joseph’s murder. There was little doubt in the mind of the police, I’m sure, which choice Daniel would make.”

“But is all that possible in a democracy like Germany?” I asked.

He looked at me as if I were a real fool. “In a democracy?” he said bitterly. “Perhaps not. In a democracy like Germany? Certainly.” He then continued reading the transcript of the interrogation:

“Answer: You don’t know the people?

“Answer: No.

“Question: Good, let’s go on talking about the names, especially those written down in the transcript of the questioning before the judge in Dresden.

“Answer: Then Herr Abdulla came to us, and Frau Kantelberg, because they’re renting our house to us. Then they started in with, ‘You were at the swimming pool too. Tell this and that.’ Then a few days later they came again and it was the same thing, and I had to got to their place. And then they told me the names. ‘Here are the names, and you’ll get something.’ And then I said the names. (Tearfully.)

“Question: And what did you get for that?

“Answer: Money.

“Question: How much money?

“Answer: Fifty marks and seventy marks.

“Question: And when did all that happen, when the money was paid? Was that just after what happened in the pool or was it this year?

“Answer: It was then, when I was with Frau Kantelberg.

“Question: When the money was paid, was a sworn statement made and written down?

“Anwer: (The witness nodded.)”

To be continued.

Sincerely yours,

Robert John Bennett

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Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author’s translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.

Alle Briefe aus München sind abrufbar: http://www.joseph_affair.blogspot.com

München, den 7. Februar 2003

Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,

Mein Freund sagte, „Bemerken Sie, wie die Polizei Daniel während dieser Vernehmung zwingt, eine unmögliche Entscheidung zu treffen: einerseits kann er darauf bestehen, diejenige zu nennen, die er Joseph ermorden sah, und dadurch sich in Gefahr der Repressalien von den Rechten bringen, oder andererseits kann er die Gefahr dadurch meiden, dass er sagt, dass seine falsche Aussage bezahlt wurde, und er kann auch bestreiten, dass das, was er der Richterin in Dresden sagte, die Wahrheit war. Ich bin sicher, dass die Polizei wusste, welche Entscheidung Daniel treffen würde. Vergessen Sie nicht, an diesem Tag, wo diese Vernehmung stattgefunden ist, die drei Verdächtige im Fall Joseph auf freien Fuß gesetzt worden waren.“

„Ist all das aber möglich in einer Demokratie wie Deutschland?“ fragte ich.

Er schaute mich an, als ob ich ein echter Trottel wäre. „In einer Demokratie?“ sagte er verbittert. „Vielleicht nicht. In einer Demokratie wie Deutschland? Ganz bestimmt.“ Dann fuhr er fort das Protokoll der Vernehmung vorzulesen:

„Frage: Die Leute kennen Sie nicht?

Antwort: Nein.

Frage: Gut machen wir mal dort weiter, wie es jetzt zu den Namen kommt, wie in dem, vor allen Dingen auch in der richterlichen Vernehmung, niedergeschrieben sind.

Antwort: Dann kam der Herr Abdulla und die Frau Kantelberg zu uns, weil das unsere Hausvermieter sind. So und da fingen sie eben an. ‚Du warst auch in dem Bad, erzähle das mal und das mal.’ Dann ein paar Tage später kamen die wieder und da war wieder dasselbe und dann musste ich dorthin. Und da haben die mir Namen gesagt. ‚Hier die Namen und du kriegst was.’ Und da habe ich die eben gesagt (weinerlich).

Frage: Was hast du dafür gekriegt?

Antwort: Geld.

Frage Wie viel Geld?

Antwort: 50 und 70 DM.

Frage: Und wann ist das alles gewesen, als das Geld gezahlt wurde? War das unmittelbar nach dem das im Bad geschehen ist oder jetzt erst in diesem Jahr?

Antwort: Das war da, als ich mit bei der Frau Kantelberg war.

Frage: Wurde damals schon, als das Geld gezahlt wurde, eine eidesstattliche Erklärung abgegeben und niedergeschrieben?

Antwort: (Nicken)“

Fortsetzung folgt.

Mit freundlichen Grüßen

Robert John Bennett

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