A Novel of Harvard

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7 March 2021

(Bemerkung: Der Beginn einer deutschen Übersetzung des Romans, die lediglich als eine Art Sprachübung erfolgt, ist durch Auswahl des entsprechenden Links auf der rechten Seite verfügbar. Das Kapitel, das gerade übersetzt wird, befindet sich unten. Die gesamte englische Version des Buches ist über die Links am rechten Rand dieser Seite verfügbar.)

(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The entire English version of the book is available through the links on the right side of this page.)


Teil 2, Kapitel 30

“…Among so many signs of power and rule
Conferred upon us, and dominion given….”
–Milton
Paradise Lost

“…Unter so vielen Zeichen von Macht und Herrschaft
Uns verliehen, und Herrschaft gegeben….”
–Milton
Das verlorene Paradies

An jenem Tag, als er ein Treffen einberief und niemand erschien, war Davids erste Reaktion eine sehr große Wut.

Er musste etwas tun, egal was, dachte er, um eine Situation zu korrigieren, die er unerträglich fand. Und er musste es sofort tun.

Wenn er nicht so jung und so unsicher gewesen wäre, wäre seine Reaktion vielleicht maßvoller gewesen, aber er war arrogant und stolz, auf fast teutonische Weise. Er glaubte, dass nicht nur seine Autorität in Frage gestellt worden war, sondern auch die vernünftige, hierarchische Ordnung der Dinge. Er war der Ansicht, dass diese Autorität und diese Ordnung um jeden Preis aufrechterhalten werden müssen.

Er war geduldig mit Kambanda gewesen, sagte er sich. Es ging nicht darum, alles zu dramatisieren. In einer Situation, in der es um das Leben anderer Menschen ging, gab es eine Grenze der Geduld.

Als er an diesem Tag zum Treffpunkt ging und dort fast niemanden vorfand, wandte er sich an einen der Flüchtlinge und bat darum, zu Kambandas Hütte gebracht zu werden. David fand ihn draußen; er sprach mit einigen der Flüchtlinge. Als David sich näherte, drehte Kambanda sich um und starrte ihn mit dem an, was David als Ausdruck milder Verachtung auf dem dünnen, mageren Gesicht interpretierte. David erwiderte diesen Blick und erkannte zum ersten Mal, was für eine mächtige Gestalt Kambanda war: groß und hager, mit langsamen, sorgfältig kontrollierten Bewegungen und Augen, die jeden so zu betrachten schienen, wie ein Mann ein Insekt anschauen würde.

Als David sprach, bemühte er sich sehr, sein Gefühl der Unsicherheit und Angst nicht zu zeigen. Er wollte ein Gefühl der Entschlossenheit vermitteln, obwohl er wusste, dass er wie nichts anderes als ein verzweifelter Jugendlicher klingen könnte.

“Erinnerst Sie sich, dass ich Sie gebeten habe, die Männer zu einem Treffen um elf Uhr zusammenzubringen?” sagte David auf Suaheli. Er spürte, wie seine Augen feucht wurden. Er fühlte sogar, dass er zitterte, aus unterdrückten Gefühlen von Wut und Angst, vielleicht sogar aus Heimweh für seine Freunde und für alles, was er in Dodoma hatte. Dennoch schaffte er es, in einem ebenen Ton fortzufahren: “Nun, niemand ist da.”

Kambanda sah ihn nur mit etwas wie Lachen an, das hinter seinen Augen tanzte. Er schenkte David ein hartes, höfliches, kleines Lächeln. “Sie wissen, wie Afrikaner sind”, antwortete er und versuchte nicht sehr, seinen Sarkasmus zu verbergen. “Sie sind nie pünktlich, sie wissen nicht, was Uhren sind. Aber wenn du noch eine Stunde oder so wartest, bin ich sicher, dass sie auftauchen werden.”

David hatte so etwas schon einmal von Kambanda gehört und oft: Das nächste Mal würde Kambanda es tun, das nächste Mal; die Flüchtlinge würden das nächste Mal dort sein.

David war entschlossen, nicht mehr auf diese Art von Versprechen zu hören. Er und Kambanda hatten einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gab, so schien es David, einen entscheidenden Moment in ihrem kleinen Spiel, und er sagte sich, dass er derjenige war, der gewinnen würde. Soweit es ihn betraf, würde es kein nächstes Mal geben. Es gab nur das Jetzt. Egal, wie unzureichend er sich fühlen mochte, er war es, dem die Verantwortung für das Lager übertragen worden war, und er würde nicht zulassen, dass Kambanda ihm diese Verantwortung abnahm. In Davids starrer und ziemlich enger Sicht der Dinge war es eine Frage des Gehorsams gegenüber der Autorität und eine Frage der Macht. Leider war er noch so unreif, dass dies die einzigen Begriffe waren, in denen er denken konnte. Er würde Kambanda zwingen, das Treffen einzuberufen. David würde Kambanda dazu bringen, ihm zu gehorchen, so wie Kambanda Grant Johnson gehorcht hatte.

Die Notwendigkeit, auf diese Art des Denkens zurückzugreifen, zeigt wahrscheinlich nur, wie weit David mit seiner Situation überfordert war. Ein sicherer und erfahrener junger Mann hätte die Situation anders und effektiver gehandhabt. Natürlich war ein Teil des Problems, dass es nicht mehr sehr viele selbstbewusste und erfahrene Europäer oder Amerikaner gab, die in Ostafrika arbeiteten. Sie waren praktisch alle nach Hause zurückgekehrt, als Tanganjika unabhängig wurde. Sogar die Regierungsbeamten selbst suchten verzweifelt nach Leuten, um verschiedene Stellen zu besetzen, und das war der Hauptgrund, warum David überhaupt dort im Lager arbeitete.

Er hatte jedoch keine Zeit, über all diese Dinge nachzudenken, an diesem Tag, dort vor Kambandas Hütte.

Nachdem Kambanda ihm gesagt hatte, er solle noch ein wenig warten, bis die Leute für das Treffen auftauchten, starrte David zu diesem großen, strengen Watusi auf, der ihn zu überragen schien. Dann sagte er einfach: “Ich möchte mit Ihnen sprechen. Ich möchte, dass Sie jetzt in mein Büro kommen.”

Ohne auf Kambandas Antwort zu warten, drehte sich David um und ging weg. Er schaute nicht einmal zurück, um zu sehen, ob Kambanda ihm folgte. Er wußte nicht, was er getan hätte, wenn Kambanda ihn einfach ignoriert hätte. Er war zu wütend, um über solche Dinge nachzudenken.

Kambanda folgte ihm jedoch. Vielleicht dachte Kambanda, dass David verzweifelter war, als er schien, und Kambanda wollte herausfinden, was David tun würde. Vielleicht war die alte Gewohnheit, einem “Europäer” zu gehorchen, selbst für ihn zu stark, und er gab ihr nach. Oder vielleicht hatte Kambanda, wie der Anführer jeder Gruppe, seine Rivalen, und er hatte Angst, dass David ihn entlassen und versuchen würde, einen der anderen führenden Flüchtlinge an seine Stelle zu setzen.

(Fortsetzung folgt.)

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