A Novel of Harvard

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22 October 2019

Note: The narrator of this story is sometimes not very reliable, particularly when he disparages the main character.

(Bemerkung: Auf den Anfang einer deutschen Übersetzung des Romans, nur als eine Art Sprachübung durchgeführt, kann man unten rechts zugreifen. Das Kapitel, das zur Zeit übersetzte wird, befindet sich unten.)

(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The entire English version of the book is available through the links on the right side of this page.)


Teil 2, Kapitel 09

“I can’t listen to that much Wagner, you know.
I start getting the urge to conquer Poland.”
–Woody Allen
Manhattan Murder Mystery

David hatte noch viel über andere Leute zu lernen. Er war fassungslos über den Brief, den er von seinem Stiefvater erhalten hatte. Schließlich wurde David jedoch klar, dass er seinem Stiefvater nicht die Schuld für das geben konnte, was er schrieb, denn wie die meisten amerikanischen Männer — zumindest zu dieser Zeit — wurde er fast vollständig von seiner Frau, Davids armer Mutter, beherrscht.

Davids Stiefvater war auf jeden Fall von Davids Mutter in Sachen, die mit David zu tun hatten, dominiert. Die arme Frau schien zu glauben, dass David ihr Eigentum war und sein Stiefvater keinerlei Rechte über ihn hatte, obwohl David legal adoptiert worden war und sogar den Namen seines Stiefvaters angenommen hatte. Wenn Davids Mutter seinem Stiefvater befahl, David etwas zu sagen, dann musste er genau das zu David sagen und sonst nichts, egal was er hätte sagen wollen, wenn er frei gewesen wäre, unabhängig zu handeln.

Als David seinen Stiefvater zum ersten Mal traf, verhielt sich der Mann immer ermutigend und freundlich gegenüber David. Er schien immer alles zu unterstützen, was David tun oder sagen wollte — er schien immer versucht zu haben, David ein Gefühl des Selbstvertrauens zu vermitteln. Davids arme, verwundete Mutter entmutigte jedoch jede enge Beziehung zwischen David und seinem Stiefvater, so wie sie immer eine enge Beziehung zwischen Davids echtem Vater und David gestört hatte.

Seine Mutter schien besessen und getrieben von dem Bedürfnis, ihre Familie zu beherrschen. Sie konnte nicht verstehen, dass sie die vollständige Macht über ihre Familie haben könnte, indem die Familie sie einfach liebte. Sie hätte Generationen beeinflussen können, die noch nicht geboren waren. Anstatt jedoch ihren Männern und Söhnen Weisheit und Liebe einflößen zu wollen, wusste diese traurige Frau nur, wie sie die Spaltung zwischen ihnen fördern konnte.

Die arme Frau hungerte so sehr nach dem, was sie für Liebe hielt, aber sie schien keine andere Möglichkeit zu kennen, um geliebt zu werden, als ihre Familie zu beherrschen und so viel Macht wie möglich in der kleinen Welt ihrer Familie anzusammeln.

Auf diese Weise machte sie diese Welt noch enger und beengter als diese Welt es bereits war. Gleichzeitig zerstörte die arme Frau praktisch das Leben der Menschen in ihrer Umgebung.

Am Ende, möglicherweise, sind die Menschen jedoch vor den Folgen selbst der sinnlosesten Handlungen anderer Menschen bewahrt. David glaubte sogar, dass Gott, der alles erschuf, was wir um uns herum sehen, unsere Zerstörung verhindert und aus dem schrecklichsten Übel so viel Gutes schöpft. David glaubte, dass das Böse unerklärlich sein könnte, aus Sicht der Menschen, aber nicht aus Sicht Gottes, denn am Ende kann alles einfach durch das erklärt werden, was Gott ist. David war überzeugt, dass Deus caritas est.

Als Davids Stiefvater seinen Brief beantwortete, war seine Wirkung nicht so groß wie es sonst hätte sein können, da es nicht der erste Brief war, den David von ihm erhalten hatte. Trotzdem in seiner Begeisterung für Afrika und der aufregenden Aussicht, dort ein Jahr zu verbringen, hinterließ der Brief bei David ein krankes, leeres Gefühl. „Glückwunsch”, begann Davids Stiefvater, „Dein Brief ist am Geburtstag Deiner Mutter eingetroffen. Du hättest es nicht besser planen können, wenn Du sie mehr verletzen wolltest. Ich musste ihr Beruhigungsmittel geben und sie hat die letzten zwei Tage im Bett verbracht. Du weißt sicher, wie Du Menschen helfen kannst, oder?”

Er fuhr fort: „Denkst Du jemals an jemanden außer an Dich? Du bist lächerlich – Du und deine selbstsüchtigen Gründe, in diesem ,wunderbaren‘ Land zu bleiben. Ich nehme an, das ist das Land, das Dich all die Jahre gefüttert und bekleidet und beschützt hat. Ich nehme an, es hat Dir auch eine Ausbildung gegeben. Bleib dort, wenn Du willst. Bleib für immer dort. Warum sogar die Mühe machen, zurückzukommen? Dieses wundervolle Land kann ohne Zweifel Deine Ausbildung abschließen, Dir einen Start ins Leben ermöglichen und Dir helfen, eine Karriere aufzubauen. Es wird Dich zweifellos für all die gute Arbeit belohnen, die Du dort leistest.”

Er schloss den Brief in demselben Ton: „Einige Leute könnten sagen, dass Du jedem zeigst, wie dumm, undankbar und gedankenlos Du bist, wenn Du dort bleibst. Aber Deine Mutter und ich würden das niemals sagen.“

David gewöhnte sich langsam an diese Art von Haltung seines Stiefvaters, so dass dieser Brief ihn nicht so sehr verletzte, wie er es hätte tun können. Trotzdem fragte er sich für einen Moment, ob er jemals wirklich einen solchen Brief von seiner Mutter oder seinem Stiefvater lesen könnte, ohne davon betroffen zu sein. Er fragte sich sogar flüchtig, ob er auf lange Sicht noch viele Jahre in Harvard überleben könne, da er finanziell von solchen Menschen abhängig sein müsste.

(Fortsetzung folgt)

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