A Novel of Harvard

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20 January 2019

Note: When I began writing what is in the end a very autobiographical novel, I thought it would be obvious that the story is being told by what is known technically as an “unreliable narrator.” I thought such a narrator would elicit more understanding of David, the story’s main character.

Unfortunately, I was wrong. It has not been obvious at all to many readers that the narrator is unreliable. They tend to identify the author with narrator. In fact, the author should be identified with David.

The narrator is meant to represent all those people whose views of David were misguided, obtuse, selfish, and ignorant.

The narrator can indeed be disliked and even despised because of the way he sees David, but the author does not see things the way the narrator does. The author did, however, once experience and think and see things as David does. In very many respects, in fact, this is still true.

I suppose a better writer would not have to explain all this.


(Bemerkung: Auf den Anfang einer deutschen Übersetzung des Romans, nur als eine Art Sprachübung durchgeführt, kann man unten rechts zugreifen. Das Kapitel, das zur Zeit übersetzte wird, befindet sich unten.)


(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The entire English version of the book is available through the links on the right side of this page.)



Teil 1, Kapitel 25

«Je cherche encore mon chemin, je tourne une rue… mais… c’est dans mon coeur…»
–Marcel Proust
Á la recherche du temps perdu

Er saß in seinem Zimmer und betrachtete erneut die Werbung für die Gruppe, die nach Ostafrika ging, um Englisch zu unterrichten. Sicher müssten sie ihn akzeptieren, dachte er. Er nahm das Telefon und rief die Nummer in der Anzeige an. Er vereinbarte noch am selben Tag einen Termin für ein Interview. Er wurde aufgefordert, eine schriftliche Erklärung mitzubringen, warum er nach Ostafrika gehen wollte.

Er arbeitete den ganzen Nachmittag an der Erklärung und ging dann um sieben Uhr langsam durch die kalte Winterluft zum Interview in Phillips Brooks House. Harvard Yard lag in der strahlenden Winternacht um ihn herum. Aus den Fenstern der Gebäude, die aus der Kolonialzeit stammten, strömte Licht, das im trockenen, sauberen Schnee lag und glitzerte. Der Yard war auch im Winter eine Oase der Schönheit und Möglichkeit inmitten einer Welt, die ihm oft wie eine Wüste vorkam. Manchmal aber fühlte er sich, als wäre er in einer Wüste aufgewachsen, und daher kam das ihm kaum merkwürdig vor. Er fühlte sich durch die Wüste bedroht, aber gleichzeitig zog sie ihn an. Er brauchte daher Orte wie den Yard, weil sie eine Form der Hoffnung darstellten, und eine Art Leben.

Die Wüste – er dachte an diesem Abend nur wenig darüber nach, aber als er auf der Highschool war, wollte er die Wüste verlassen, in der er aufgewachsen war, und in einer anderen Art von Wüste leben. Er wollte ein Trappistenmönch sein. Die Trappisten entmutigten ihn jedoch, aber er begann zu entdecken, dass es überall Aspekte der Wüste gibt, und nun war es diese Wüste, nach der er sich sehnte und versuchte zu fliehen. Er war sich dessen nicht wirklich bewusst, aber Afrika war bereits zur Wüste geworden und gleichzeitig eine Flucht aus der Wüste.

Für ihn hatte die Wüste viele Formen. Es gab die Wüste einer Welt ohne Liebe, ohne Liebe zu Gott – wie er es dachte – und ohne eine echte Liebe zu anderen Menschen. Das war die Wüste, die er vermeiden wollte. Es gab jedoch auch die Wüste, die eine Art dunkle Nacht der Seele war, eine Wüste, die zu Gott führt – oder das war es, was er gelesen hatte – und dies war die Wüste, nach der er sich sehnte, auch wenn die Sehnsucht manchmal tief im Innern begraben war. Er glaubte, dass dies die Wüste sei, die Gott ihm erlaubte zu sehen, von Zeit zu Zeit. Er konnte es jedoch nicht betreten. Seine Sehnsucht nach einer Oase des Lebens in der Welt – anders gesagt, die Hoffnung, die er in die Welt gesetzt hatte, und seine Angst vor der Welt – all das war immer noch zu groß.

An diesem Abend, zum Beispiel auf dem Weg zum Interview für das afrikanische Projekt, konzentrierten sich alle seine Hoffnungen und Ängste auf die unmittelbar bevorstehende Zerreißprobe. Sein Magen fühlte sich kalt und war voller Angst, und die einzige Möglichkeit, die Angst zu kontrollieren, bestand darin, ein zu starres Äußeres zu präsentieren. Natürlich war dies nicht der beste Weg, um bei einem Interview zu sprechen, es sei denn, der Interviewer war in der Lage, sehr viel Einsicht und Verständnis zu haben. Solche Interviewer waren selten in Harvard, würde er eines Tages feststellen, obwohl es mehr von ihnen dort gab als anderswo.

In Phillips Brooks House trat er in die beleuchtete Lobby und ging zu dem Mädchen an der Rezeption. Sie war dünn und hatte lange braune Haare und ein hageres Gesicht. Sie sah von ihrem Buch auf und ihre Augen schienen ein hartes Licht zu haben. Die sahen aus wie Augen, die daran gewöhnt waren, alles mit leichter Verachtung zu betrachten. „Die Projekt Tanganyika-Interviews sind oben”, sagte sie zu ihm. „Sie können sich auf einen der Stühle oben auf dem Treppenabsatz setzen. Man wird Sie informieren, wenn die Interviewer bereit sind.” Sie sah auf ihr Buch hinunter. Er konnte den Titel lesen. Das Buch war Caesars Kommentar zu den Gallischen Kriegen in lateinischer Sprache.

Ein schwacher menschlicher Impuls oder eine Laune ließ ihn fragen: „Ist es gut?”

Sie sah auf und starrte, als wäre er ein bizarres Insekt. „Könnte etwas so flektierte nicht gut sein?” sagte sie.

Wenn er eine andere Art von Person gewesen wäre, hätte er vielleicht gelacht, wie er es später in solche Situationen lernen würde. Er war jedoch zu jung und mit sich selbst zu beschäftigt. Er nahm sich auch viel zu ernst und war auch auf seine eigene Art und Weise vielleicht sehr stolz.

Er war auch oft eine schüchterne und verwirrte Person, so dass die Antwort des Mädchens auf seine Frage paradoxerweise sowohl seinen Stolz als auch sein Gefühl der Wertlosigkeit verstärkte. Er wandte sich ab und ging langsam die Treppe hinauf. Er setzte sich in einen großen roten Sessel und starrte die Gemälde an den Wänden an. Ehrwürdige Herren des 19. Jahrhunderts starrten ihn zurück an, und er fragte sich, woran sie gedacht hatten, während ihre Porträts gemalt wurden.

Oben auf der Treppe öffnete sich eine Tür. Er sah einen großen Mann Anfang dreißig auf ihn zukommen. Der Mann lächelte und sagte: „Ich bin Tom Stafford, der Fakultätsberater für diese Gruppe, und ich werde Sie mit Peter Schmidt, dem Leiter des Projekts, interviewen. Bitte kommen Sie rein.”

David folgte ihm in ein kleines, einfaches Büro. Wie in den meisten Harvard-Gebäuden gab es an den Fenstern keine Vorhänge, nur lange weiße Fensterläden. Es war ein Raum aus der puritanischen Vergangenheit von Neu-England: schlicht und ordentlich – und irgendwie zeitlos schien es David. John Harvard hätte selbst hineingehen, sich hinsetzen und eigentlich nicht fehl am Platz scheinen können.

Es gab einen Schreibtisch im Raum, und auf der anderen Seite saß ein dünner, ernster junger Mann, der aufstand, um David die Hand zu geben. Er lächelte. „Hallo, ich bin Peter Schmidt”, sagte er.

David setzte sich langsam und fühlte sich so angespannt, dass er kaum wusste, was er sagen sollte. Er reichte den Aufsatz, den er schreiben musste, und Peter warf einen Blick darauf. Dann sah er zu David auf. „In Ihrer Bewerbung“, sagte Peter, „zeigen Sie viel Idealismus, wenn Sie über die Arbeit in Ostafrika sprechen. Genauer gesagt, was möchten Sie dort erreichen?”

David erschrak etwas, was ihm als Peters Schonungslosigkeit erschien. Er sah schnell zu Tom und dann wieder zu Peter. Sie lächelten beide freundlich und warteten.

David beugte sich vor und starrte auf den Boden. Fast wünschte er sich, er könnte sich darin einschmelzen. Es herrschte Stille. Die Wände selbst schienen ungeduldig auf seine Antwort zu warten. „Ich meinte so ziemlich das, was ich in dem Aufsatz geschrieben habe”, hörte er sich sagen. „Ich kann nichts anderes sagen als das, was ich dort geschrieben habe.”

„Wir erwarten nicht, dass Sie etwas anderes sagen”, sagte Tom, „aber könnten Sie das, was Sie geschrieben haben, näher erläutern?” Er lächelte wieder.

Peter sah viel ernster aus, in der Art, wie junge Männer oft in den Situationen sind, in denen sie glauben, dass sie sich so verhalten müssen, als wären sie älter und reifer. „Ich denke, dass das, was Sie geschrieben haben, etwas vage ist. Könnten Sie nicht genauer sein?”

„Nun”, sagte David und hatte das Gefühl, dass er wirklich nicht wusste, was er sagte. „Ich denke, es ist wichtig, in Entwicklungsländern zu unterrichten, wichtig für uns und wichtig für die Schüler, die dort leben.” Er fühlte, wie die ganze Situation um ihn herum zusammenbrach.

Peter fragte, „Aber warum genau ist es wichtig?” Er verschränkte die Arme und sah David aufmerksam an.

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