A Novel of Harvard

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20 July 2018

Note: When I began writing what is in the end a very autobiographical novel, I thought it would be obvious that the story is being told by what is known technically as an “unreliable narrator.” I thought such a narrator would elicit more understanding of David, the story’s main character.

Unfortunately, I was wrong. It has not been obvious at all to many readers that the narrator is unreliable. They tend to identify the author with narrator. In fact, the author should be identified with David.

The narrator is meant to represent all those people whose views of David were misguided, obtuse, selfish, and ignorant.

The narrator can indeed be disliked and even despised because of the way he sees David, but the author does not see things the way the narrator does. The author did, however, once experience and think and see things as David does. In very many respects, in fact, this is still true.

I suppose a better writer would not have to explain all this.


(Bemerkung: Auf den Anfang einer deutschen Übersetzung des Romans, nur als eine Art Sprachübung durchgeführt, kann man unten rechts zugreifen. Das Kapitel, das zur Zeit übersetzte wird, befindet sich unten.)


(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The entire English version of the book is available through the links on the right side of this page.)



Part 1, Chapter 20

„Nur mein blinder Glaube an die Idee, die den Völkern der Welt Licht und Freundschaft bringt, gab mir die Kraft, auszuhalten. Konnte ich denn damals wissen, dass ich in einem Vakuum voller Parolen lebte, in dem kein einziges meiner Ideale zu verwirklichen war?“
–Michael Moshe Checinski
Der traurige Frühling

“Only my blind faith in an idea that would bring light and amity to all the peoples of the world gave me the strength to endure. So could I have known then that I was living in a vacuum of words, in which not one of my ideals could ever be realized?”
–Michael Moshe Checinski
Der traurige Frühling

Davids frühesten Überzeugungen über die Welt und über die Moral entspringen den Überzeugungen, die ihm von den Erwachsenen vermittelt wurden, die in seinem Leben am einflussreichsten waren: Priester, Lehrer und in gewissem Maße auch seine armen Eltern. Später hatten die Bücher, die er las, als er jung war, einen Einfluss auf sein Denken und auf seinen Glauben. Er würde sich sein ganzes Leben lang an diese Bücher erinnern. Viele der Leute, die er kannte, hätten ihm nicht geglaubt — schließlich, wie viele junge Männer lesen Bücher auf diese Weise oder lesen die Art von Büchern, die David gelesen hat? Die Autoren, die ihm wichtig waren, waren eine eigenartige Auswahl: Plato, Augustine, François Mauriac, Graham Greene und Evelyn Waugh. Sie bildeten eine seltsame Gruppe, und doch schien es ihm oft, als hätten diese Menschen seine Gedanken für immer geformt.

Es gab ein wichtiges Element, das fast alle diese Autoren teilten. Jeder von ihnen außer Plato war Katholik.

Seine Freunde und Lehrer stärkten ihm die Wahrheit und Wichtigkeit von allem, was er glaubte. Auch die Eltern einiger seiner Schulkameraden haben seine Ideen verstärkt, aber auf eine negative Art und Weise, sozusagen. Diese Menschen waren intelligente, erwachsene Amerikaner der oberen Mittelschicht, die jeder Religion extrem skeptisch gegenüberstanden. Ihre Skepsis hatte jedoch nur eine Wirkung: Sie machte ihn sicherer, was er glaubte.

Die Überzeugungen, die er hatte, wurden noch mehr durch das plötzliche Gewahrsein gestärkt, das manchmal einige junge Männer überholen kann, wenn sie mit der fast überwältigenden Schönheit der natürlichen Welt und der von Menschen gebauten Welt konfrontiert werden. In seinem Fall geschah dies kurz vor dem Ende seiner High-School-Karriere, als er mit einigen der anderen Schüler seiner Sekundarschule seine erste Europareise machte.

Dinge, die in jedem anderen Alter prosaisch sein könnten, sind für einen Siebzehnjährigen seltsam und aufregend und können einen tiefen Eindruck in seinem Kopf hinterlassen, besonders wenn er einen Verstand wie David hat: Ein wilder Mitternachtssturm im Nordatlantik hatte Gefühle von Ehrfurcht und Aufregung in seinem Kopf ausgelöst; die Magie eines sonnigen, frühen Sommermorgens in London, als jede Straße und jedes Gebäude schien, Mysterien anzudeuten, die erkundet werden sollten; die Pracht der österreichischen Alpen, wenn man sie einfach anschaute, schien David ein Abenteuer zu sein; und natürlich Rom, wo er fast den Eindruck hatte, die Zeit sei stehengeblieben, oder wo so viel Zeit gleichzeitig anwesend war – das Reich, das bis an die Grenzen der bekannten Welt reichte, die Martyrien in den frühen Jahrhunderten unserer Zeit, die Pracht der Renaissance und das Gefühl von Alter und Verfall und Erneuerung, das in der modernen Stadt so weit verbreitet schien.

Und dann war da natürlich Paris, wo, glaubte er, das Verstand und Intellekt, die jeder besaß, muss sicherlich wie nie zuvor zum Leben erwachen.

Er hatte noch nie einen solchen Ort wie Paris gesehen.

Für ihn waren die Buchhandlungen allein blendend. Die einzigen echten Buchläden, die er bis dahin je gesehen hatte, waren kleine und irgendwie isolierte kleine Geschäfte im amerikanischen Mittleren Westen, weit weg von den größeren Städten. Jetzt hier in Paris gab es überall Buchhandlungen, Buchhandlungen aller Art und Größe – und es gab die Stände entlang der Seine, die alle mit einer verwirrenden Vielfalt von Büchern gefüllt waren. Jeder von ihnen, so stellte er sich vor, öffnete sich in ein anderes Universum, und all diese Universen waren ordentlich in den Regalen angeordnet, die überall um ihn herum erschienen – die Welt nach Tolstoi, Dostojewski, Dickens, Hemingway, Mauriac, Aquinas. Alles, was er tun konnte, war, seinen Geist sich aufgeregt und zufällig von einem zum anderen bewegen zu lassen. Neben den Büchern gab es auch das Paris des Louvre und die eindringliche neue Erfahrung der Kunst.

Diese Einblicke in die unendlichen Möglichkeiten der Schönheit, die die Welt hält, waren die ersten von vielen, die er in diesen Jahren haben würde. Sie begannen, in sein Leben und in seine Gedanken zu kommen, zusammen mit der Überzeugung – die immer stärker wurde -, dass die Existenz Gottes real ist. In der Tat verstärkten all diese neuen Wahrnehmungen die Idee, dass die materielle Schönheit eng mit der Realität und der Schönheit Gottes verbunden sein muss.

Dieses Bewusstsein wurde jedoch immer mehr zu einem Hindernis, als er von der High School nach Harvard ging. In der intellektuellen Umgebung von Harvard war zu dieser Zeit kein Platz für diese Art von Bewusstsein.

So viel dazu, Harvard als eine Gemeinschaft zu betrachten, in der die Leute stolz auf ihre Geistesoffenheit waren, dachte er bei sich. Dort, wie überall, basierten die akzeptierten Arten, die Welt zu sehen, auf gemeinsamen Vorurteilen, die einen großen Einfluss auf das Denken und Verhalten aller hatten. Die Leute in Harvard waren sich einfach nicht bewusst, wie ihre angebliche Geistesoffenheit tatsächlich ziemlich eingeschränkt war.

Harvard-Studenten sollte die größte Freiheit des Denkens und Handelns gewährt werden, und alle nahmen an, dass sie mit dieser Freiheit schließlich zu der gleichen Denkweise über Dinge gelangen würden, mit denen alle anderen in Harvard mit ihrer Freiheit gekommen waren. Und wenn diese Schüler zu anderen Denkweisen kamen, dann war etwas nicht in Ordnung mit ihnen.

Harvards berühmter Respekt vor der Freiheit eines jeden Menschen zeigte sich vielleicht am besten nicht an der Art und Weise, wie Ideen außerhalb der allgemein akzeptierten Harvard-Weltanschauung toleriert wurden – weil sie, wiederum, überhaupt nicht toleriert wurden -, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie die Menschen die Freiheit hatten, sich selbst zu zerstören, wenn sie wollten. Naiv wie er war, fand David das schockierend, jedes Mal, wenn er es sah. Er hielt es für schlimm genug, dass wirklich selbstzerstörerische Menschen in der Welt diese Freiheit erhalten sollten. Es kam ihm jedoch noch schlimmer vor, dass begabte Freunde in Harvard, die Rat wünschten, die eine Art Richtung in ihrem Leben wollten, die die Antworten auf die größeren Fragen der Existenz brauchten, nicht bekommen konnten, was sie wollten und brauchten. Harvards Zeitgeist erlaubte ihnen einfach ins Trudeln zu geraten und zu verschwinden – aus Respekt vor ihrer “Freiheit”.

Was David manchmal überraschte, war, dass nur wenige Leute in Harvard zu verstehen schienen, dass fast jeder junge Mann – wie einige der Freunde Davids oder auch David selbst – sich einen wirklich schlechten Rat geben kann. So ein junger Mann ist auch in der Lage, diesem Rat zu folgen. Dies gilt insbesondere für jeden jungen Mann, der von Selbstzweifeln und Verwirrung überwältigt ist und der sich selbst zerstören kann aus der Überzeugung, dass sein Leben sinnlos scheint und dass er es nicht wert zu überleben ist. Das ist besonders traurig, denn im Falle eines begabten jungen Mannes ist natürlich genau das Gegenteil der Fall. David hatte einige der besten jungen Männer seiner Generation gesehen, die sich entweder langsam oder auf einmal zerstörten, weil es ihnen erlaubt war weiter zu glauben – im Namen einer seltsamen Vorstellung von “Freiheit” – dass sie es nicht verdient hätten zu überleben.

Er dachte, dass er am Ende trotz allem, was in seinem Leben passiert war, einer der Glücklichen gewesen war. In späteren Jahren dachte er oft an eine Unterhaltung, die er einmal mit einem Freund hatte, der, wie sich später herausstellte, viel mehr Hilfe brauchte als David, aber der zu dieser Zeit tat, was er konnte, um David zu helfen. Vielleicht liegt es daran, dass David, zum Teil wegen Jonathan, überhaupt überleben konnte. Jonathan versuchte zumindest, David einen gewissen Orientierungssinn zu geben.

Jonathan war ein außerordentlich intelligenter junger Südstaatler, dessen Vater der Herausgeber einer der führenden Zeitungen des Landes war. Er hatte ein rundes, sanftes Gesicht und rotblonde Haare, die immer wieder über seine Stirn fielen.

Sie liefen spät an einem Herbstnachmittag in ihrem ersten Jahr in Harvard am Charles River entlang. Die Bäume, die den Fluss säumten, erstreckten sich vor ihnen, von der Boylston Street, vorbei am anglikanischen Kloster und dann weiter bis zur ersten Biegung des Flusses. Die Bäume schienen mit der gleichen Farbe zu leuchten wie das Feuer, das die untergehende Sonne über den Himmel warf. Es war die Zeit des Jahres, als ganz Neu-England mit dieser Farbe in den Städten, entlang der Flüsse und überall in den Bergen lebendig zu sein schien.

Jonathan hatte ihn nach seiner Familie gefragt, und er hatte geantwortet: “Ich weiß es nicht. Manchmal glaube ich, dass ich keine Familie habe.”

“Was meinst du?”, fragte Jonathan.

David blieb stehen und wandte sich ab und schaute dann über die Oberfläche des Flusses. “Meine Eltern kennen mich nicht, sie wollen es gar nicht”, sagte er. “Wenn sie mit mir reden, scheinen sie mit jemandem zu sprechen, der nur in ihrer Vorstellung existiert. Ich fühle, dass ich für sie unsichtbar bin.”

Jonathan sah ihn nachdenklich an. “Und der Rest deiner Familie?”

David sah ihn an. “Was meinst du, ‘der Rest meiner Familie’? Das ist die ganze Familie, die ich habe.”

“Ja, aber Harvard ist eine Art Familie, nicht wahr?”

“Nun”, antwortete David, “es ist eine Art Gemeinschaft.”

“Klar, aber es ist mehr als das.” Jonathan sah ihn so selbstsicher an, dass er lächeln wollte. David dachte, dass Jonathans Ideen manchmal etwas seltsam waren, aber er hörte ihm gerne zu. “Die Leute, die schon lange hier sind, kennen sich”, fuhr Jonathan fort. “Die gleichen Einflüsse haben sie geformt, die gleiche Art zu denken. Man könnte fast sagen, dass sie durch den Intellekt näher verwandt sind, als manche Menschen mit Blut verwandt sind.” Er sah wieder zu David, als wolle er versuchen zu sehen, ob das, was er sagte, Wirkung zeigte.

(Fortsetzung folgt.)

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