A Novel of Harvard

28 January 2020

(Bemerkung: Der Beginn einer deutschen Übersetzung des Romans, die lediglich als eine Art Sprachübung erfolgt, ist durch Auswahl des entsprechenden Links auf der rechten Seite verfügbar. Das Kapitel, das gerade übersetzt wird, befindet sich unten. Die gesamte englische Version des Buches ist über die Links auf der rechten Seite dieser Seite verfügbar.)

(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The entire English version of the book is available through the links on the right side of this page.)


Teil 2, Kapitel 12

“Oft him anhaga
are gebideð,
metudes miltse,
þeah þe he modcearig
geond lagulade
longe sceolde
hreran mid hondum
wadan wræclastas.”
–Eardstapa,
Codex Exoniensis
A.D. 975

„Wer ist allein
lebt oft lange genug,
um Gunst zu finden,
obwohl er immer wieder
mit seinen Armen
das frostkalte Meer
rühren musste”.
–Anonym,
Der Wanderer
(Im Jahr 975 geschrieben, in Angelsachse)

Sobald Davids Ernennung zum provisorischen Kolonialbeamten Anfang September in Kraft trat, kurz nachdem die anderen Amerikaner gegangen waren, sollte er sofort auf Safari gehen. Wahrscheinlich war diese Erwartung eine Art Test. Wenn er es nicht bestanden hätte und es klar geworden wäre, dass er die Arbeiten an diesen Safaris nicht erfolgreich durchführen könnte, wäre er sehr wahrscheinlich schnell und kurzerhand in die USA zurückgeschickt worden.

Um sich auf die erste Safari vorzubereiten, musste er auf Suaheli einen Brief an alle Häuptlinge und Oberhäupter in dem 200 Quadratmeilen großen Gebiet verfassen, für das er verantwortlich war. Er musste ihnen seinen Zeitplan mitteilen, und er musste ihnen mitteilen, wann und wo sie ihre Leute mitbringen sollten, um die Coupons zu erhalten, die gegen Essen eingetauscht werden konnten.

David arbeitete einen langen Tag an seinem Schreibtisch im Hauptquartier des Bezirks an dem Brief und anderen Angelegenheiten. Das Büro bestand aus einem niedrigen, schlanken Gebäudekomplex, in dem manchmal eine leichte Brise die Vorhänge flatterte und die Hitze draußen in schimmernden Wellen aufstieg. Die afrikanischen Boten machten dringende Besorgungen in ihren roten Fezzen und kakifarbenen Uniformen. Auch hier herrschte ein Gefühl der Stille, das nur gelegentlich von einem der jüngeren englischen Bezirksbeamten unterbrochen wurde, der einen armen Afrikaner laut ansprach. Der Mann stand vor dem Beamten, sich auf seinen Speer lehnte und mit mildem Erstaunen hörte den Worten und Redewendungen zu, die auf Suaheli um ihn herumwirbelten. Der Afrikaner verstand wahrscheinlich wenig von dem, was der Engländer sagte, da Swahili nicht seine Muttersprache war. Einer der afrikanischen Boten übersetzte jedoch lautstark in Kigogo, die lokale Stammessprache, während er eine bemerkenswert genaue Verkörperung des Engländers machte, als dieser sprach.

Am Wochenende vor der ersten Safari gab David seinem Koch Simon eine Liste mit allem, was im Busch gebraucht würde. Während Simon diese Vorbereitungen traf, überprüfte David alle Registrierungsverfahren und legte einen Vorrat an Berichtshefte und Essensgutscheinen beiseite, die er brauchen würde.

Am Montagmorgen erschien der Landrover der Regierung vor Davids Haus mit einem Fahrer namens Shabani am Steuer. Er war ein großer, dünner Somali in der üblichen Khaki-Uniform und rotem Fez. Er war ein fröhlicher Mann, äußerst hilfsbereit, geduldig und fleißig.

Er war auch ein frommer Moslem, und in jenen unschuldigen Tagen schien seine Religion nichts weiter als eine kuriose, ziemlich charmante Angewohnheit zu sein, die er sich angeeignet hatte. David hatte in den USA noch nie einen Moslem gekannt, und Shabani war der erste Moslem, mit dem David jemals in unmittelbarer Nähe gelebt hatte.

David sah mit großem Respekt zu, zumindest damals, als Shabani seinen Gebetsteppich herausholte, Mekka ansah, kniete, sich verbeugte und jeden Tag zu den erforderlichen Zeiten betete. David glaubte, dass es vielleicht diese eher exotische Angewohnheit war, die Shabani in schwierigen Situationen die Kraft und Ausdauer gab, die David manchmal erstaunlich fand. Shabani konnte stundenlang durch die heiße, staubige Landschaft oder durch Sturm- und Flutbedingungen fahren, ohne jemals gereizt oder ungeduldig zu werden, ohne auch nur sehr müde zu wirken. David hingegen fühlte sich oft erschöpft, als er nur als Beifahrer im Auto fuhr, geschweige denn das Fahrzeug fahren musste, in Staub und Hitze und über Straßen, die manchmal fast unpassierbar waren.

Natürlich hatte David keine Ahnung, inwieweit Shabanis Religion innerhalb weniger Jahrzehnte Chaos in der Welt schaffen würde.

Der Regierungsbote, der David und Shabani immer begleitete, hieß Masengo. Er war klein, etwas rundlich, intelligent und sehr einfallsreich – der mit Abstand erfahrenste Bote im Bezirksamt, und vielleicht wurde er deshalb David zugeteilt. Es war vielleicht auch der Grund, warum David zu Beginn manchmal das Gefühl hatte, dass die wahre Beziehung umgekehrt war – dass er es war, der Masengo zugewiesen wurde.

Der Mann konnte mit riesigen, chaotischen Menschenmengen umgehen und sie, fast durch die Kraft seiner Persönlichkeit, in geordnete Verteilergruppen aufteilen. Er war klug und verantwortungsbewusst und immer von großer Hilfe in Situationen im Busch, die für David am Anfang oft verwirrend und schwierig waren. Davids Suaheli war anfangs sehr schwach und alles im Busch musste auf Suaheli durchgeführt werden, aber trotz der Schwierigkeiten, die David dadurch verursachten, war David sehr glücklich. Als er auf Safari war, tatsächlich verbrachte David Tage im Busch, ohne jemals auf eine Person zu stoßen, die Englisch sprach. Er verbrachte manchmal Tage, ohne selbst ein einziges Wort Englisch zu sprechen, und es lag in seiner Natur, so etwas für wirklich großartig zu halten.

Mazengo, Shabani und Simon waren es jedoch gewohnt, mit Europäern umzugehen, die die Art von Pidgin-Suaheli sprachen, die David anfangs verwenden musste. David hätte ohne diese drei Männer nicht überleben können. Die Arbeit, die Mazengo und Shabani bereits seit mehreren Monaten mit den britischen Bezirksbeamten geleistet hatten, und ihre Vertrautheit mit den Verfahren des Hungerhilfeprogramms ließen David das Gefühl aufkommen, dass seine Anwesenheit anfangs völlig unnötig war. Vielleicht war dies in gewissem Sinne der Fall, außer dass die damalige Arbeit von Mazengo und Shabani in den Augen der Afrikaner im Busch keine Legitimität gehabt hätte, ohne die Anwesenheit von “Buana Shauri”, der weißer Bezirksbeamter, der David jetzt war.

An dem Montagmorgen der allerersten Safari war David besorgt und etwas ängstlich. Obwohl es wirklich wenig gab, was schief gehen könnte, gelang es ihm, eine Menge zu finden, um die er sich Sorgen machen konnte. Shabani, Mazengo und Simon waren kompetent und erfahren, aber David war derjenige, der letztendlich für alles verantwortlich war. Er machte sich zum Beispiel Sorgen um die Suaheli-Briefe, die er verschickt hatte, Briefe, die er mit so viel Mühe verfasst hatte. Waren diese Briefe empfangen worden, von den Chefs und Häuptlingen, an die sie gerichtet waren? Würden die Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein? Hatte er den Wochenplan gut geplant und hatte er genug Zeit, um in alle Gebiete zu reisen, die er besuchen wollte? Hatte er auch genug Zeit die Verteilung der Essensgutscheine an alle Menschen durchzuführen, die an den festgelegten Ort kommen würden?

Der rudimentäre Zustand seines Suaheli beunruhigte ihn ebenfalls. Wie konnte er mit all den Problemen umgehen, denen er begegnen musste? Würde er überhaupt mit den Leuten im Busch kommunizieren können? Würde er überhaupt in der Lage sein, effektiv mit Shabani und Mazengo zu kommunizieren? Er versuchte, nicht daran zu denken, wie er in dieser Woche allein sein würde – sprachlich, kulturell, rassisch. Er versuchte nicht daran zu denken, dass er in den Augen der Afrikaner, die ihn umgaben, nicht anders war als ein Ausländer, so etwas wie jemand, der von einem anderen Planeten aus besuchte, jemand, der eine dominante, fortgeschrittene und bewunderte Zivilisation darstellte, aber dennoch ein Ausländer.

Er machte sich auch Sorgen um kleine Details, die er für entscheidend hielt — die Vorräte, zum Beispiel, die er mitbrachte. Gab es genug Gutscheine oder würden sie mitten in der Verteilung ausgehen? Hatten sie genügend Registrierungsbücher, um alle Namen und sonstigen erforderlichen Informationen der Personen zu speichern, die Hilfe beantragten? Wäre er in der Lage, dafür zu sorgen, dass die Treffen in den einzelnen ausgewiesenen Gebieten effizient organisiert wurden, wie die anderen Bezirksbeamten ihre Gebiete organisiert hatten und wie er sie dabei beobachtet hatte?

Aufgrund dieser leidenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, die einem jungen Mann das Gefühl gibt, absolut fehlerfrei arbeiten zu müssen, waren Davids Sorgen fast endlos: Hätten die Chefs und Dorfvorsteher genug Respekt vor jemandem, der so jung war wie er? Würden sie ihm sagen, ob irgendwelche Hilfsantragsteller über die Anzahl ihrer Familienmitglieder gelogen haben? Würden sie ihn wissen lassen, wenn ein Antragsteller versuchte, die Regierung über die Menge an Lebensmitteln, die er eingelagert hatte, oder die Anzahl an Rindern, die er besaß, zu täuschen?

Würden die Dorfvorsteher – zusammen mit Masengo – wirklich in der Lage sein, alle in Gruppen zusammenzufassen und sie in mehreren Reihen zu stellen? Oder würde sich das gesamte Treffen – trotz aller Bemühungen Davids – in eine Masse von Verwirrung auflösen, in der Hunderte von Menschen außer Kontrolle geraten und ihn und die anderen daran hindern, die Arbeit zu tun, zu der sie gekommen waren?

In dem größeren Schema der Dinge — ob Zivilisationen aufsteigen oder fallen, ob die gesamte Menschheit weitermachen kann, ohne sich selbst zu zerstören — waren Davids Bedenken sicherlich nicht sehr wichtig. Viele, die dies lesen — wenn überhaupt jemand es liest — werden ihn auslachen, weil er seine Sorgen so ernst nimmt. Er wusste, dass viele seiner Zeitgenossen ihn verspottet hätten, weil er sich solche kleinen Sorgen gemacht hatte. Viele hätten gesagt — und würden wahrscheinlich immer noch sagen —, dass er einfach nicht sehr klug war, dass er keine Ahnung hatte, was seine Prioritäten sein sollten. Und im weiteren Sinne mag das wahr gewesen sein. Andernfalls wäre er nach Harvard zurückgekehrt und hätte sich mit wichtigeren Dingen beschäftigt: vielleicht der europäischen Geschichte oder der englischen Literatur.

Wahrscheinlich hätten noch viel mehr Menschen gesagt — und tatsächlich sagten viele, wenn nicht zu dieser Zeit, dann sicherlich später —, dass David nicht nur keine wirkliche Intelligenz hatte, sondern auch kein klares Gespür für die Welt und die Menschen in seiner Umgebung. Er sei neurotisch, sagten sie.

Was sonst könnte das Gefühl erklären, ständig von der Schönheit des Landes heimgesucht zu werden? Was sonst könnte das Gefühl der Erheiterung begründen, das er empfand, wenn er das Land ansah? Sogar in der Trockenzeit strahlte das Land, aber später, als der Regen kam, verwandelte sich das ausgedehnte Plateau aus trockenem Gras und Gestrüpp in ein Paradies von gedämpfter Farbe mit langen Aussichten, die sich in sanften Wellen über üppige Wiesen und Wildblumen erstreckten. Überall im Busch wirkten der kühle Schatten der Baumklumpen, die Dickichte und sogar das fast undurchdringliches Unterholz einladend und mysteriös. Sogar die gedrungenen, unorganisiert aussehenden Affenbrotbäume würden grün und schienen fast vor schwerem Laub zu platzen.

Wenn er dumm war, dann war diese neue Welt in seiner Dummheit und Naivität grenzenlos und unerforscht, unschuldig und unberührt. Er brachte die ganze Frische und Begeisterung seiner eigenen Jugend dazu, und das Land schien wie ein Freund zu reagieren und gab ihm diese Dinge zurück.

Als er nach dem Beginn der langen Regenfälle auf Safari war, fuhren sie auf einer einsamen Strecke im Busch. Der Morgen war sonnig, aber der Boden war noch feucht von einem Regen in der Nacht zuvor. Plötzlich kamen sie zu einem Straßenabschnitt, der über Hunderte von Metern mit einem weichen, lebenden, flatternden Teppich aus Tausenden und Abertausenden kleiner weißer Schmetterlinge bedeckt war. Die winzigen Insekten flogen auf, als sich der Landrover näherte, wie vom Wind getriebener Schnee. Sie streiften das Fahrzeug und wirbelten herum wie ein lebendiger Wintersturm, der mitten im Sommer zugeschlagen hatte.

Dieser Moment wurde irgendwie in Davids Gedanken verankert. Der Moment war unerklärlich und wunderschön; der Moment war — um ein Wort zu verwenden, das er und andere in seinem Alter in Harvard auf etwas Außergewöhnliches anwendeten — so edel. Er dachte, dass er noch nie in seinem Leben etwas gesehen hatte, das solch eine Pracht enthielt.

Dieses kleine Ereignis war das, worauf er damals so großen Wert legte, einfach weil es in seinen Augen so unvergleichlich atemberaubend war.

(Fortsetzung folgt)

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