A Novel of Harvard

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30 July 2021

(Bemerkung: Der Beginn einer deutschen Übersetzung des Romans, die lediglich als eine Art Sprachübung erfolgt, ist durch Auswahl des entsprechenden Links auf der rechten Seite verfügbar. Das Kapitel, das gerade übersetzt wird, befindet sich unten. Die gesamte englische Version des Buches ist über die Links am rechten Rand dieser Seite verfügbar.)

(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The entire English version of the book is available through the links on the right side of this page.)


Teil 3, Kapitel 4

“It took me time to find it out: but I write down what I have found out at last, so that anyone who is now in the position that I was in then may read it and know what to do to save himself from great peril and unhappiness.”

(“Es hat mich Zeit gekostet, es herauszufinden: aber ich schreibe auf, was ich endlich herausgefunden habe, damit jeder, der jetzt in der Lage ist, in der ich damals war, es lesen und wissen kann, was zu tun ist, um sich vor großer Gefahr und Unglück zu retten.”)

–Thomas Merton
The Seven Storey Mountain

Zu Beginn dieses Sommers, als seine Welt um ihn herum aus den Fugen zu geraten und sich aufzulösen schien, als er selbst die Tränen oft nur schwer zurückhalten konnte, schrie auch sein Geist wie immer nach einer intellektuellen Arbeit, nach einer verantwortungsvolleren Tätigkeit, nach etwas, das ihm sinnvoller erschien als die Küche seiner Eltern zu streichen oder den Rasen zu mähen.

Seine Mutter und sein Stiefvater und viele andere hätten gesagt, ein solcher Wunsch sei ein Zeichen dafür, dass es ihm an Demut mangele, dass er stolz und ehrgeizig sei.

Vielleicht war er das. Vielleicht hätte er, wenn er wirklich die Art von spiritueller Orientierung gehabt hätte, die er zu haben glaubte, jede Art von Arbeit gerne gemacht, anstatt sich selbst zu bemitleiden. Offenbar war das aber zu viel erwartet.

Andererseits: Vielleicht fehlte es ihm wirklich an Verständnis. Oder vielleicht war er einfach nur egoistisch. Er fühlte sich jedoch betrogen, ausgetrickst von seiner Mutter und seinem Stiefvater oder vom Leben selbst, in eine Situation zurückzukehren, in der er unglücklich war. Seine Mutter hatte ihn angefleht, das zu verlassen, was für ihn die Aufregung und die Verantwortung der Arbeit war, die er in Afrika tat. Sie wollte ihn zu Hause haben, und als er tat, was sie wollte, was war das Ergebnis? Die Verstrickung in Langeweile und Bedeutungslosigkeit.

Nach allem, was er glaubte, in Afrika erreicht zu haben, befand er sich nun in einer Position, in der ihn seine Mutter und sein Stiefvater zu einer Arbeit zwangen, die ihm völlig bedeutungslos erschien. Die ganze Energie und das Leben seines hungrigen Geistes wurde von der Aussicht auf das, was in diesem Sommer vor ihm lag, empört.

Natürlich, was er hätte tun sollen – anstatt solches Selbstmitleid zu empfinden, anstatt sich so elend zu fühlen – war, sich selbst einen Job zu suchen, der sinnvoller und befriedigender war als die Arbeit, die er für seine Mutter und seinen Stiefvater verrichtete. Bis er das begriffen hatte, war sein Selbstvertrauen jedoch so untergraben worden, dass so etwas unmöglich war. Er fühlte sich wie gelähmt, umgeben von Hindernissen, die ihn daran hinderten, etwas zu tun, was er wirklich tun wollte. Nach der weitläufigen Freiheit Afrikas war er in einer winzigen Gefängniszelle eingesperrt.

Er war in einem Käfig und wurde von Tag zu Tag bitterer. Viele werden sagen, dass seine Bitterkeit aus seiner Selbstsucht erwuchs. Er beneidete seinen jüngeren Bruder egoistisch dafür, dass er nie in einem langweiligen, sinnlosen Job arbeiten musste, den seine Mutter und sein Stiefvater von David erwarteten. Sein Bruder durfte die Sommerkurse seiner Vorbereitungsschule besuchen. Sein Bruder konnte reisen und sich mit seinen Freunden amüsieren, während David das Gefühl hatte, in der beengenden Atmosphäre des Hauses seiner Mutter und seines Stiefvaters isoliert und allein zu sein. Die Ungerechtigkeit der Behandlung war zeitweise fast überwältigend.

Vielleicht kann man in einer solchen Einstellung wirklich Egoismus und Stolz erkennen, und in dieser Selbstsucht bemerkte David einen weiteren bedeutenden – und beneidenswerten – Unterschied zwischen der Situation seines Bruders und seiner eigenen. Seine Mutter schien seinem Stiefvater die Verantwortung für seinen Bruder abgetreten zu haben, und sein Stiefvater schien Davids Bruder auf eine Weise zu verstehen, die seine eigene Mutter nicht konnte.

Obwohl David seinen Stiefvater nicht besonders mochte, beneidete er seinen Bruder darum, eine solche Vaterfigur in seinem Leben zu haben. Davids Stiefvater schien zu verstehen, wie sein Bruder dachte und fühlte. Er schien zu verstehen, was ihn frustrieren und verletzen würde, und er beschützte seinen Bruder davor. David hingegen schien von seiner Mutter beansprucht worden zu sein, die anscheinend ihrer alles verzehrenden Besitzgier freien Lauf ließ.

Es war, als wäre eine Vereinbarung zwischen Davids Mutter und seinem Stiefvater ausgearbeitet worden. Davids Bruder würde zu ihrem Stiefvater “gehören”, und David würde zu ihrer Mutter “gehören” und unter ihrer alleinigen Kontrolle stehen. Also gab es nicht nur niemanden, der David vor Frustration und Schaden schützte, seine Mutter schien entschlossen, alles zu tun, was sie konnte, um ihn auf jede mögliche Weise zu frustrieren und zu verletzen. Zumindest hat David die Situation in der Familie so interpretiert, denn nichts wurde je ausgesprochen, nichts wurde klar. Alles war verwirrt und zweideutig, wie in einem Spiegelsaal, wo alle Spiegel verzerrt waren und alle Bilder in irgendeiner Weise verdreht. Die gesamte familiäre Situation musste “interpretiert” werden, um einen Sinn daraus zu machen.

Es schien ein Element der Bestrafung in der Art und Weise zu sein, wie David von seiner Mutter und seinem Stiefvater behandelt wurde. Vielleicht hatte die ganze Situation, der Unterschied in der Art, wie er und sein Bruder behandelt wurden, etwas mit ihrer sehr unterschiedlichen Einstellung zur Religion zu tun.

Davids Haltung konnte von seinen Eltern nur als verurteilend angesehen werden, ob er nun wirklich so empfand oder nicht. Sein Bruder hatte keine solche Einstellung. Er glaubte in der Tat überhaupt nicht an Religion. Die Einstellung seines Bruders verbesserte die Möglichkeit, dass er die Art von Erfolg haben würde, die die meisten Menschen im Leben haben, während Davids Einstellung – was auch immer sie wirklich war – diese Möglichkeit für ihn zerstörte.

Natürlich wusste David, dass er seinen Bruder nicht beneiden sollte, aber er musste zugeben, dass es Zeiten gab, in denen er ihn doch beneidete. David war nie in der Lage gewesen, seinen Glauben und seine Ideale so aufzugeben, wie es sein Bruder anscheinend getan hatte. David hatte das auch nie wirklich gewollt, denn es bildete die Grundlage seiner Existenz. Es gab seinem Leben einen Sinn, den es sonst nicht gehabt hätte. Es war für ihn die Grundlage für alles: all sein Denken, seine Aktivitäten, seine Wünsche und Ziele, seine Vorstellungen von Recht und Unrecht.

Und so waren seine Taten und seine Anwesenheit natürlich für seine Mutter und seinen Stiefvater jedes Mal, wenn er zur Messe ging, jedes Mal, wenn er ihr Haus betrat, eine stillschweigende Kritik an der Tatsache, dass sie sich von ihren Ehepartnern scheiden und geheiratet hatten. Natürlich sagte er in ihrem Leben nie ein Wort über dieses Element. Er musste nicht. Es war immer da, wenn nicht für ihn, dann für seine Mutter und seinen Stiefvater. Es war das Monster im Raum, über das niemand sprechen wollte.

Es stellt sich natürlich die Frage: Wenn David ihnen gegenüber kritisch eingestellt war – was er vielleicht nicht war, zumindest nicht bewusst -, warum lebte er dann weiter bei ihnen? Warum ist er nicht einfach zu seinem Vater gezogen?

Schließlich war David eine Zeitlang bei seinem Vater geblieben, als seine Eltern sich scheiden ließen, obwohl er sich seiner Mutter näher fühlte. Er blieb bei seinem Vater, weil er dachte, sein Vater sei derjenige, dem Unrecht getan wurde und der versuchte, das Richtige zu tun. Als sein Vater sich jedoch schließlich dazu entschloss, auch wieder zu heiraten, sah David keinen Grund mehr, bei ihm zu bleiben. Da er die Wahl hatte, zog er es vor, bei seiner Mutter zu sein.

(Fortsetzung folgt.)

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